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TIPP: Tagebuch ausdrucken und in der Straßenbahn lesen! 
Manch älterer Eintag wird beizeiten gelöscht - mancher bleibt für immer.
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J E D E N   M O N A T   N E U !

J E D E N   M O N A T   N E U !

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Trugbilder (Februar 2012)

Oft, sehr oft im Leben kommt der Moment, an dem wir unsere festen Vorstellungen von was auch immer mit der Realität abgleichen müssen - das Ergebnis dieses Abgleichs kann hart ausfallen. Eine Freundin von mir hat mal auf der Berlinale den leibhaftigen George Clooney getroffen, um mir anschließend unter Tränen zu erzählen, dass der Mann "in echt" kleiner sei, als im Kino. Die Frau war am Boden zerstört und fühlte sich betrogen. "Verklag' ihn doch", sage ich zu ihr, "du bist rechtschutzversichert!" Was wir uns unter einem Ereignis, einem Land, einem Menschen vorstellen, resultiert meist aus Erzählungen, Fernsehberichten oder Gala-Artikeln, die nach und nach übersteigerte Erwartungen heraufbeschwören und am Ende zwangsläufig in einem Meer voller Enttäuschung untergehen. Ich war letzten Monat in Melbourne und habe mir die Australian Open angesehen. Klar, gute Tennis-Atmosphäre war da, gute Spiele sowieso, doch im Grunde ist das Gelände dort nichts weiter als eine Siedlung mit großen Stadien, lieblos formierten Außenplätzen, überteuerten Verkaufsständen und (natürlich) jeder Menge Fressbuden. Nationale oder gar regionale Besonderheiten? Fehlanzeige, derlei Bauten unterliegen in Optik und Philosophie längst einer Weltnorm: wer von Außerirdischen entführt und dort ausgesetzt wird (...kann ja sein... ) hat - die Werbebanner mal weggedacht - keine Chance zu erkennen, wo das Ufo gerade gelandet ist. Was mir Satelliten-Übertragungen  im Nachtprogramm von Eurosport seit Jahren als Eindruck liefern, habe ich im Melbourne-Park kaum wiederentdeckt. Schade, denn Australien ist prallvoll mit unverwechselbaren Highlights, die durchaus auf dem asphaltierten, grauen Tennis-Gelände mit kleinen Zitaten hätten bedacht werden dürfen. Was soll's, unser Leben ist voller Trugbilder, und vielleicht ist es manchmal besser, eine Phantasie eine Phantasie bleiben zu lassen. Falls also George Clooney anruft und euch zum Tennis einlädt, denkt erst mal in Ruhe drüber nach ...

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Der Tod und das Leben (Januar 2012)

Es muss in den frühen 80ern gewesen sein: Im Erdkundeunterricht gönnte uns der gestrenge Herr Emming aus Moers zum Jahresabschluss eine Runde Trivial Pursuit. Eine der Fragen: "Welcher ehemalige Operettenstar wird häufig als 'Jopie' bezeichnet?" - "Jopie?! Wer soll das sein?", dachten alle. Ich wagte einen Tipp: "Johannes!" Emming konterte: "Na, und wofür steht der Rest?" Stille. "Kinder, die Lösung lautet Johannes Heesters!" Den kannte von uns natürlich keiner. Schon damals also, vor knapp 30 Jahren war Jopie Heesters ein Star aus der Vergangenheit. Wenn nun also davon gesprochen wird, dass ein ganz Großer des Showgeschäfts von uns gegangen sei, so stimmt das zwar - doch sein "Gehen" war in Wahrheit ein "Schleichen", und das war zum Zeitpunkt seines Todes längst beendet. Der Johannes Heester der Gegenwart war einzig und allein bekannt, weil er alt war - der Frauenschwarm von einst war schon zu meiner Schulzeit auf dem Friedhof der Helden begraben worden. Heißt also: ab einem bestimmten Zeitpunkt bist du einfach tot - auch dann, wenn du noch unendlich lange weiterlebst. Irgendwie tröstlich! ;-) 

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Wann wirst du endlich erwachsen? (Dezember 2011)

Vor allem meine Mutter stellt mir gerne und regelmäßig diese Frage - nicht erst seit gestern, sondern seit ich auf die höhere Schule gewechselt bin. Gefühlte 100 Jahre hatte ich stets die passende (und mich in lange Sicherheit wiegende) Antwort parat: "Wenn André Agassi aufhört, Tennis zu spielen, dann werde ich erwachsen!" Den Tag seines Rücktritts nahm ich gelassen, hatte ich doch längst meine Antwort geändert in eine, die bis in alle Ewigkeit halten sollte: "Wenn Thomas Gottschalk mit 'Wetten dass...' aufhört, dann werde ich erwachsen!" Im Januar dieses Jahres begann seine Abschiedstournee, und ich wusste: bald habe ich ein Problem ...

Ich wurde hektisch und flüchtete in eine letzte, mindestens 10 Jahre weiteren Aufschub verheißende neue Antwort: "Wenn Matula im ZDF aufhört zu ermitteln, dann werde ich erwachsen." Vor ein paar Wochen schickte mir mein Busen-Freund Benni mit gehässiger Kommentarlosigkeit folgenden Link: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,795077,00.html 
Ok, liebes Schicksal, ich habe die Zeichen verstanden. Es wird eng. Bald ist die Jugend vorbei. Schön war sie. Allerdings erst ab Mitte 30. ;-)

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Stand Up New York (November 2011)

Wenn ich erzähle, dass ich manchmal in amerikanischen Comedy-Clubs auftrete, schwappt mir meist eine Woge der Ehrfurcht entgegen. "Wow! Echt?!" Ich versuche dann zu beschwichtigen: "Is' echt nix Dolles, mein Englisch ist nicht perfekt, und ich plane auch keine Karriere in den USA." Egal, die meisten finden's trotzdem toll. Letztes Jahr hat ein großes Monatsmagazin des Ruhrgebiets ausführlich über meine sporadischen Aktivitäten in San Francisco berichtet - ohne dass ich darauf aufmerksam gemacht hatte! Schon komisch: da tanzt man als Sieger auf Preisverleihungen, springt im Fernsehen rum, doch die ersehnte Anerkennung gibt es für ein paar holprige Gehversuche in der neuen Welt. Liebe Lesenden, ich werde nun berichten, wie es WIRKLICH bei amerikanischen Mini-Shows abgeht ...

Mein Tourplan führte mich Mitte Oktober nach New York, auch dank "meiner" AIDA aura, deren Fahrt in die Karibik ich als Gastkünstler begleiten durfte. Bevor ich an Bord gewohnt großspurig das Theater zu meinem Wohnzimmer erklärte (ich grüße an dieser Stelle ALLE Mitfahrenden!), spielte ich im großen Apfel ein paar kleine sog. Open Mic Shows, in denen jeder auf die Bühne darf, der sich schnell genug in eine Liste einzutragen vermag. Der Name des Theaters klang verheißungsvoll: Stand Up New York, Uptown Manhatten. Ein krasserer Gegensatz zu dem, was dort letztlich abging, ließe sich kaum erfinden. Ich selbst hatte keinen schlechten Auftritt, ein paar Pointen kamen gut, der Endapplaus stimmte, ich hatte mein Gesicht gewahrt - vor 21 Zuschauern, die ALLESAMT auch selbst einen Auftritt dort absolvieren sollten. (Ein glücklicher Zufall hatte mich auf Startplatz 2 hochschnellen lassen.) Im Verlauf das Abends offenbarte sich dann der generelle Unterschied zwischen hier und "drüben": Bei uns in Deutschland haben auch die blutigsten Anfänger und schlechtesten Zotenreißer zumindest irgendwas zu bieten, ein paar geklaute Witze, ein Kostüm, eine Haltung, wenigstens ein Konzept, und wenn sie nichts davon haben, ist das bewusstes Stilmittel - im Mutterland der Comedy aber ist die Gauklerei der Grünschnäbel oft ein Trauerspiel, ein Flanieren im Fiasko. Na klar, die Großen des US-Geschäfts sind RICHTIG groß, doch in den kleinen Clubs sehen einige das Motto "Jeder darf" offenbar als Aufforderung. Folge: Auf den Brettern, die 5 Dollar Startgeld kosten, tummeln sich zwar genau wie bei uns viele talentierte, nette Leute, doch nicht selten auch ausrangierte Huren, Obdachlose, Kriegsveteranen oder irgendwelche Säufer, die mit einem Zettel bewaffnet völlig zusammenhanglos grottigste One-Liner darbieten. Auftrittszeit: drei Minuten, wobei allein die Pausen, die gemacht werden, zusammen häufig 2 1/2 Minuten ergeben. Das ist krass formuliert, ich weiß, doch meine Stand-Up-New-York-Erfahrung war wirklich übel, da mag manche Begegnung noch so nett gewesen sein. Kurz vor Schluss stieg ein Riese aus Harlem in die Bütt. Natürlich hatte der mitbekommen, dass ich aus Deutschland bin, was für ihn willkommener Anlass war, mich in seiner Darbietung vor verbliebenen 6 Leuten mal eben für alle Kriegsverbrechen der Weltgeschichte verantwortlich zu machen. "You look like ..." - damit begann der krönende Abschluss seiner Hasstirade, in der er eine wahllose Aufzählung deutscher Filmschurken präsentierte. "Du hast Inglourious Basterds vergessen!", erwiderte ich. Das brachte ihn erst richtig auf die Palme, und so erteilte er mir beim Vorbeigehen noch einen Schnell-Kurs im Hitler-Grüßen. Dennoch: es war und ist irgendwie stets eine Bereicherung, sogar hier, und einer meiner Mitstreiter war auch richtig gut: Sal aus Jersey. Gelungenes Timing, clevere Gags, starke Körpersprache. Ich hoffe sehr, ihn irgendwann mal wiederzusehen. Den Typen aus Harlem besser nicht.

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Essen * 15 Jahre GOP * Ludger moderiert(e) 
(Oktober 2011)

Dieter Thomas Heck: "Junge, du bist richtig gut!"
Ludger: "Danke. Können Sie mir einen Auftritt bei Carmen Nebel besorgen?"
Heck: "Wo?!"
Ludger: "Na so irgendwo im Samstag-Abendprogramm halt. Von mir aus auch bei Hansi Hinterseher oder Björn Borg. Äh, ANDY natürlich.
Heck (dreht ab, kehrt aber sofort zurück): "Hab' ich deine Handynummer?"
Ludger: "Klar, Sie haben mich gestern angerufen."
Heck: "Du bist richtig, richtig gut ..." 

Fortsetzung folgt. Vielleicht.

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"Sie war 16 und ich 39, ... (September 2011)

..., und von Liebe, wusste ich nicht viel - denn ich bin ja bei der CDU." 

Sie hörten: "Und es war Sommer" in der Version von Christian von Boetticher. Manno, diese Affäre des Beinahe-Ministerpräsidenten aus dem Norden mit einer minderjährigen Facebook-Flamme hat es mir echt angetan. Ne, nicht wegen erotischer Details, es geht mir um's Drumherum, denn:

Entweder etwas ist erlaubt, oder es ist eben NICHT erlaubt - beides geht nicht, oder? Das Gesetz sagt (sinngemäß): Die Liebschaft mit einer 16-Jährigen is' in Ordnung (von ein paar Ausnahmen mal abgesehen), also muss das doch auch für jeden Herrn von Bödefeld gelten. Richtig?! Eben nicht, denn Christian von Bötticher vertritt die letzte noch verbliebene "echte" Minderheit in Deutschland, die einzige Randgruppe, die im Anti-Diskriminierungsgesetz unerwähnt bleibt und deshalb keine Rechte hat: die Gruppe der alleinstehenden deutschen Männer um die 40. Mal ernsthaft: Wäre Bötticher schwul und hätte einen minderjährigen Lover in der BILD-Zeitung vorgestellt, kein Problem, wir sind doch nicht schwulenfeindlich! Ole von Beust lässt grüßen. Eine 16-jährige Import-Braut ist ebenfalls ok, sofern der Besteller einem fremden Kulturkreis angehört. Bötticher ist Christ - Pech gehabt! Sicher hätte auch ein körperliches Gebrechen für Milde sorgen können, doch davon ist der 2-Meter-Hühne Bötticher ebenfalls meilenweit entfernt. Gesund, deutsch, katholisch, männlich, um die 40 - wer das auf sich vereint, hat es schwer in Deutschland. Ich weiß, wovon ich rede ... ;-)

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Treue & der beste Act (August 2011)

Treue ist im heutigen TV-Geschäft eher eine Seltenheit. Damit ist nicht die Treue zum Lebenspartner gemeint, die schert da sowieso keinen, ich meine Treue für einen Sender oder noch seltener: Treue zu einem Format. Thommy Gottschalk und "Wetten dass" gilt als Paradebeispiel einer letzten Langzeit-Liaison in der deutschen Schau-Branche, sein angedrohter Rücktritt bewegte die Nation so sehr, dass nur noch eine Halbmast-Beflaggung am Reichstag gefehlt hätte. Dabei war seine Sendung ursprünglich die Sendung eines anderen, und die viel zitierten 24 Jahre markieren mitnichten eine Ära am Stück, da zwischenzeitlich ein Mann namens "Erna kommt" statt seiner in die Messehallen-Bütts gestiegen war. Einem anderen bleibt das aktuelle Kunststück vorbehalten, schlappe 18 Jahre ohne Unterbrechung eine Sendung moderiert zu haben, es gab NUR IHN, und mit seinem Abschied wird das Ding gleich komplett eingestellt. Wehmut? Respekt? Dankbarkeit? Gar Post von Wagner? Nein! Gut, dann muss ICH halt ran ...

Lieber Kai Pflaume, die knapp zwei Jahrzehnte mit dir und "Nur die Liebe zählt" waren unaufdringlich schön! Du hast uns nicht mit Homestorys, Klatsch & Tratsch aus deinem Privatleben und gespielten Tränen bei Preisverleihungen genervt. Vielleicht liegt letzteres auch daran, dass du nie einen "echten" Preis für deine Sendung erhalten hast. Zu Unrecht! Da ich Komiker bin, glauben hier bestimmt manche an Ironie, doch ich meine das alles völlig ernst: Pflaume hat einem Format sein Gesicht gegeben, er war stets einer, der der sich statt Mätzchen zu machen in den Dienst der Sache stellte - auch wenn die Sache angesichts grottig singender Hausfrauen oder Heiratsanträgen mit Gedichten in pfälzischem Dialekt oft sehr, sehr peinlich war. Nun lief die letzte Folge von NudLz - und keinen hat's interessiert. Mich auch nicht, und dennoch überkam mich angesichts komplett fehlender Kommentare dazu in der deutschen Zeitungslandschaft viel Melancholie, denn wieder mal zeigt sich, dass die, die viel leisten und die, die gefeiert werden, nur eine kleine Schnittmenge haben. Hey Pflaume, ich verleihe dir einen Titel, den ich für mich selbst als Varieté-Moderator auch manchmal augenzwinkernd einfordere: Best Act in a Supporting Role.

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Die Missgunst der Stunde (Juli 2011)

Beim Frauenfußball hat sich etwas vollzogen, das wir aus anderen Bereichen der Gesellschaft kennen: ein Radikalwandel. Beispiel: Jahrtausende war es üblich, dass Väter der Geburt ihres Kindes fernbleiben, und kein Baby hat es gestört - die Frauen erst recht nicht. Von heut' auf morgen änderte sich das: "Wie kannst du das verantworten? Das wird bleibende Schäden verursachen!", müssen sich plötzlich all jene anhören, die beim fröhlichen Pressgesang im Kreißsaal lieber zu Hause bleiben. Unser Leben ist voll von krassen Wendemanövern, die sich keinen Übergangsaugenblick gönnen. Der Frauenfußball ist ein Paradebeispiel. 

Bis kurz vor dieser WM hat sich im Grunde kein Schwein dafür interessiert. Länderspiele vor mehr als 8.000 Zuschauern? Selten. Bundesligaspiele vor mehr als 200 Zuschauern? Auch keine Selbstverständlichkeit. Ganz offen durfte man dies darauf zurückführen, dass Fußball der Männer einfach besser ist. Schneller, athletischer, spannender. Vorbei das ganze! Wer so was im Rahmen der Frauen-WM (so der lustige offizielle Titel) noch anführt, muss umgehend mit einem erbosten "Ja, aber" rechnen. Erwidert man dann noch etwas, egal was, so ist der Stempel drauf: Frauenfeind! Ja seid ihr denn alle wahnsinnig?!

Die Frauen sind besser als die Männer, weil sie häufiger die großen Turniere gewinnen - das ist so absurd, als würde man den Olympiasiegen der Springreiter die dürftige Medaillenausbeute der Leichtathleten entgegenhalten. Fußball ist nicht gleich Fußball, Frauen sind nicht gleich Männer. Wenn unsere Fußball-Männer die Qualifikation zu einer WM schaffen, so ist das sportlich höher zu bewerten, als die Halbfinalteilnahme der Frauen - allein wegen der Leistungsdichte. Klar, die Frauen holen auf, alles wunderbar, und ich schaue mir die Spiele unserer Sommermädchen auch gerne an - aber wenn die WM vorbei ist, dann möchte ich wieder kämpfende Kerle sehen! Da mir die Menschheit aber offenbar nicht erlaubt, das mit meiner Sehnsucht nach mehr Qualität zu begründen und mir postwendend die von Udo Lattek patentierte Neid-und-Missgunst-Debatte aufzwingt, musste ich nach anderen Rechtfertigungen suchen. Ich fand sie: Ich vermisse die Blutgrätschen, will die gegnerischen Fans mit Schmähgesängen beleidigen und Männerrotze beim Wettschnäuzen auf den Rasen fallen sehen. Jawoll, mir fehlt beim Frauenfußball der Ekelfaktor! Das könnte auch euch retten, wenn ihr euch beim Public Viewing von Australien gegen Äquatorial-Guinea für einen gelangweilten Blick zur Seite rechtfertigen müsst.

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Wir alle werden sterben! (Juni 2011)

"Iss das bloß nicht, da stirbt man von!" Wie bitte? Die Warnung meiner Mutter klang, als hätte ich eine Packung Zyankali-Kapseln auf dem Teller liegen. Offenbar war das, was ich gerade zu verzehren gedachte, mindestens ebenso gefahrvoll, wenn nicht sogar NOCH gefährlicher, es war: SALAT! "Liest du keine Zeitung, Junge? Kuckste keine Nachrichten?" Manchmal glaube ich, genau das sollte man wirklich lieber lassen. "Mama, das ist doch nur ein gemischter Salat vom Pizza-Mann." Schon begann Mutter ihren Panik-Vortrag aus Tom-Buhrow-Infos und Peter-Klöppel-Versatzstücken, garniert mit Ranga-Yogehswar-Halbwissen. Fazit: Todesgefahr durch Insalata Mista - Wir alle werden sterben! 

Bin ich naiv? Oder ist die Welt verrückt geworden? Da wirft die Nachrichtenbranche mit "EHEC" ein bis dahin völlig unbekanntes Buchstabenkürzel auf deutsche Fliesentische, und schon wird der Wochenmarkt nur noch im Schutzanzug betreten, aus Furcht vor spanischen Killertomaten. Au backe! "Angst essen Seele auf" - so ein Filmtitel aus den 70ern. Das Problem: Angst verkaufe super Zeitungen, Angst mache super Quote - und deshalb wird Angst geschürt, wo es nur geht. Ich glaube, wer keine Nachrichten schaut oder hört oder liest, weiß nicht unbedingt weniger als andere, er oder sie hat bloß weniger Angst. Also: Einfach mal abschalten.

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Heute wie damals (Mai 2011)

Als sich Charles und Diana 1981 das Ja-Wort gaben, war ich ein quäkiger Drei-Käse-Hoch im Sommerurlaub auf Sylt. Mit Familie natürlich. An der Strandpromenade zu Westerland lugte ich auf einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher in irgendeinem Schaufenster. Ich sah die Braut, die Ohren, schleckte ein Eis, ein paar Passanten weinten. Jetzt, 30 Jahre später, haben William und Kate am selben Ort geheiratet wie Lady Di und der ewige Prinz, haben die Welt mit ihrem Kuss bewegt und mich zum Nachdenken gebracht. Denn trotz all der Jahrzehnte, all der Entwicklungen, all der weltlichen und persönlichen Veränderungen, die zwischen heute und damals liegen, haben die zwei Hochzeiten doch etwas Wichtiges gemeinsam: Sie haben mich beide einen Scheiß interessiert! Auf Sylt als Kind, heute als Mann. Dank des royalen Ringwechsels durfte ich dem kleinen Jungen in mir ganz, ganz nah sein. Danke, Kate! :-)

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Let's make history together (April 2011)

Apple wirft das iPad2 auf den Markt, und in deutschen Shopping-Malls sieht's aus wie im Osten vor 22 Jahren: Menschenmassen drängeln, kreischen, jubeln - nur die Frisuren sind heute irgendwie besser. Hätt' bloß noch Hans-Dieter-Genscher auf dem Balkon des CentrO. gefehlt: "Wir sind hier zusammengetroffen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihr iPad ..." Ne, geht natürlich nicht, das CentrO. hat ja gar keinen Balkon ...

Ganz schön clever, dieser Steve Jobs: Da liegen die Konkurrenzprodukte knackig und erklecklich auf den Marktplätzen, doch die Leute gieren nach dem angebissenen Apfel. Das sollte jedem Obst- und Gemüsehändler strategisch zu denken geben - ein bisschen Sektengehabe hier, eine bewusst limitierte Auflage da, und schwupps: Alle stehen Schlange! "Let's make history together", pflegt Steve Jobs bei der Vorstellung seiner Produkte zu sagen; man stelle sich vor, das hätte der Erfinder der Wäscheklammer vor 150 Jahren auch gemacht. Noch vor kurzem habe ich Apple wegen dieser blöden Anbeterei  beinahe gehasst, doch wenn man die ganzen iPs ein mal lieb gewonnen hat, gibt es kein Zurück. Grund: die Bedienung macht einfach Spaß, sogar beim schnöden Textverarbeitungsprogramm Pages! So ein Gefühl hatte ich bei Word noch nie.

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Exil der Reuigen (März 2011)

Für manche war er ein Scheinriese, ein Mensch mit lAura zwar, am Ende aber nur ein Schatten seiner selbst; lang wurde auf einen wie ihn gewartet, doch gelohnt, gelohnt hat es sich nicht. Der Zauber ist verflogen, die Faszination vorbei, was bleibt ist jämmerlich.

Es ist März 2011 - über wen rede ich hier? Guttenberg? Kann sein. Doch wenn zur Aufführung oben beschriebener Tragik ein authentischer Hauptdarsteller gesucht werden würde, die Besetzungscouch müsste sicher nicht lange leer bleiben. "Gesucht: Ein Mensch, der einen Riesenfehler gemacht hat, in eine Traumwelt geflohen ist und im Morgengrauen der Katastrophe nicht mal die Größe hatte, zu allem in aller Form zu stehen." Sollte ich irgendwann mal solch eine Stellenanzeige lesen, so bin ich der Erste, der "Hier" schreit! Guttenberg ist weg, ich habe schon zu Beginn dieser Affäre gesagt, dass er weg muss - und doch kann ich ihn in seiner zuletzt gezeigten Jämmerlichkeit verstehen. Sein entscheidender Satz war einer, der von den beherrschenden Medien kaum zur Kenntnis genommen wurde: "Ich habe in einer Drucksituation den Überblick verloren." Zitat Ende, Erklärung erfolgt, hier steckt alles drin. Er würde das Getane bestimmt gerne ungeschehen machen, er hofft sicher auf Vergebung und vielleicht auch auf Rückkehr. Ich kenne das. Willkommen im Exil der Reuigen.

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Natürlich (Februar 2011)

"Geheimzahl eingeben und bestätigen!" Die Kassiererin war flott, die Schlange hinter mir lang und meine Zuversicht groß, gleich endlich heimwärts fahren zu können. Doch was ist das? Zahlung nicht möglich? Hä?! "Mit ihrer Karte stimmt was nicht, versuchen Sie's noch mal." Tat ich, brachte nichts. Ich versicherte der Frau im Edeka-Mantel und den Wartenden hinter mir, dass ein technischer Fehler die Ursache sein müsse und auf keinen Fall ein leeres Bankkonto. Schon gar nicht jetzt, dachte ich, wo es beruflich doch so gut läuft. "Natürlich", sagte die Kassenfrau. Ihr "natürlich" klang aber nicht nach "selbstverständlich, Sie sind doch ein Edelmann", es wirkte eher wie "erzähl das deiner Omma, du Schmarotzer, Leute wie dich mögen wir hier gar nicht, und Privatinsolvenz ist Gift für die Gesellschaft, und außerdem hat Sarrazin völlig recht, du Taugenichts!" Ihre Augen hatten sie verraten. Schon drollig: ein unschuldiges, kleines Wort wird nur durch böse Betonung und blasierten Blick zu einem Trog voller Abschätzigkeit. Ich versuchte es ein letztes mal - die Schlange wurde immer länger und hatte längst tribunalhaften Antlitz bekommen. Am Ende musste ich meinen Ausweis da lassen, Geld am Automaten ziehen und bar bezahlen. Was für eine Demütigung! In solchen Momenten ist es beruhigend, nur ein C-Prominenter zu sein. 

Zwei Tage später, Esso-Tankstelle, genau das gleiche Spielchen. "Das ist mir neulich auch passiert", berichtete ich aufgeregt, "aber mit meinem Konto ist wirklich alles ok, hab' ich sofort geprüft!" - "Natürlich", entgegnete die Esso-Frau. Ihr Grinsen sagte alles. Plötzlich kommt ein junger Kollege dazu. "Moment mal, ich kenn da einen Trick." Er überklebt den Chip auf der Karte mit Tesa-Film, zieht das Ding erneut durch den Leser und schwupps: alles läuft wie geschmiert! "Hat mir mein Cousin verraten, so holt sich das Gerät die Info direkt vom Magnetstreifen.“ Wow! Ich freute mich, er rühmte sich und die Frau ... schämte sich.

Weitere zwei Tage später, wieder eine Supermarkt-Kasse. Vor mir ein Victoria-Beckham-Double mit Stiefeln, Hund und EC-Karte. "Junge Frau, da stimmt was nicht, versuchen Sie's noch mal!" Tat sie, brachte nichts. Sie: "Das kann nicht sein, bei mir ist alles ok." Ich: „Hey Ladys, vielleicht kann ich helfen." Stolzgeschwellt schwärme ich vom Tesa-Film-Trick, lasse die Frau der Kasse selbigen holen und den Chip überkleben. "Ne ächt? Super!" Hund und Frauchen habe ich eindeutig als neue Fans gewonnen. Die frisch beklebte Karte gleitet durch den Leser, alle lachen und schwupps ... "Zahlung nicht möglich." Sie (verschämt): "Das muss trotzdem ein technischer Fehler sein." Ich: "Natürlich."

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Ich verneige mich (Januar 2011)

Die schönste Schlagzeile des Winters: "Biathlon abgesagt wegen Schnee". (Das war geplant auf Schalke.) Man muss diesen Satz erst mal wirken lassen, um seine tragische Tragweite genießen zu können. Demnächst werden wahrscheinlich Tauchwettbewerbe ausfallen wegen Wasser oder Segeltörns wegen Wind - herrlich! Und noch etwas Drolliges hatte unser durchweg weißer Dezember in petto: die Renaissance eines fast vergessenen Medienträgers ... 

Auch wenn unsere TV-Nachrichtensender gewohnt breit und reflexhaft hysterisch auf den Schnee reagierten, ihre Brennpunkte zündeten sie nur im Abendprogramm - tagsüber liefen Tierdokus und Wiederholungen von Galileo. Was also tun, wenn Informationsgier aus Angst vor Lebensmittelknappheit, Stromausfall und verschneiten Schornsteinen bereits am Mittag um sich greift? Meine Mutter hatte bei meinem Weihnachtbesuch in Bochum die Lösung: "Lass uns Radio hören!" Radio? Das hast du doch nur noch fest unter die Abzugshaube geschraubt in der Küche. Oder im Auto. Oder ich als WiFi-app, aber das bringt bei deinem Analoganschluss ja auch nix. Wie hol ich ich uns Radio ins Wohnzimmer?! "Geh in Keller, da is noch von Opa!" Und wirklich: neben Aldi-Einwegflaschen und kackbraunen Mephisto-Wanderschuhen stand er da, der alte Volksempfänger mit Drehknauf, der den hinter echtem Glas sitzenden schwarzen Metallstift so weit nach links führen konnte, dass der örtliche Polizeifunk und an wolkenfreien Tagen auch Funkverkehr aus dem Weltall mühelos zu empfangen waren. Jahrelang standest du im Keller, mein Freund, heute der Tag deiner Wiederkehr. Radio, ich verneige mich vor dir! Im kalten Krieg hing die ganze Familie vor deiner wuchtenden Stoffmembran, um von monotonen Männerstimmen die Atombombennews des bösen Breschnew erzählt zu bekommen - jetzt haben wir den kalten Winter, und schwups bist du wieder da. Diesmal erklingt die Stimme einer jungen Frau, im Hintergrund läuft Musik, doch was zählt ist nur die Botschaft, und die ist heute wie damals: "Nix Genaues weiß man nicht, kann so oder so kommen, zieht euch warm an." Egal, es war ein schöner analoger Moment mit meiner Mama: Radio rauf, Ohren gespitzt, Radio wieder runter. Wer erst schleppen muss, um Infos zu bekommen, der weiß den Wert einer Nachricht ganz anders zu würdigen. 

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Ab hier ausgewählte Einträge aus der Vergangenheit:
Hurra, die Brüllaffen sind da! (Dezember 2010)

Die Filmdiven der 20er hatten einen Vorteil: das Stummfilmhegemon verhinderte, dass ihre Karriere vom exzessiven Einsatz der Stimme abhing. Schweigen statt Schreien – dieses von schlichter Arbeitsökonomie geförderte Motto sorgte dafür, dass es vor allem ausdrucksstarke, kühle, feine Ladys zu Ruhm brachten, Frauen, von denen die Zuschauerschaft nicht EINEN grellen Laut zu hören bekam. Sogar Komödiantinnen schwiegen, und trotz Tonfilm blieb das auch erst mal so. Bis irgendwann der Wandel kam – leider ...

Heute prägen weibliche Schreihälse das mediale Unterhaltungsgeschehen. Bei Klimbim mochte das ob der Andersartigkeit der Protagonistinnen noch belebend gewesen sein („Trallahi trallaha trallahopsassa“), doch inzwischen hat die Ausnahme zur Machtübernahme angesetzt, von „Wetten dass..?“ bis „Verstehen Sie Spaß?“ gilt: Hurra, die Brüllaffen sind da! Es wird geplärrt, gekeift, gepöbelt, geschrillt. „Ui, ist die sympathisch!“, scheint das Fernsehvolk einträchtig in sich hinein zu lächeln, wenn irgendeine Madame Tamtam herum palavert. Lauter Laute lauern – überall! Bin ich denn der einzige Freund einer gewissen Lakonie? Und hat die Geschichte nicht gezeigt, wohin uns ein belächelter Schreihals führen kann?

Neulich kam mir auf der Kettwiger Straße in Essen ein Gehörloser entgegen, der Geld haben wollte. „Privilegierten gebe ich kein Geld“, sagte ich und schlenderte an einer Kik-Filiale mit Verona-Plakat vorbei zum GOP-Theater ...

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Walkman (November 2010)

Sony stellt den WALKMAN ein! Diese Nachricht schmetterte vor Wochen wie eine schrille  Rückkopplung in mein ewigliches Kindergemüt. Für Leute wie mich, die zu Beginn der 70er das Röhrenlicht eines deutschen Kreißsaales erblickten, markierte der WALKMAN den eigentlichen Beginn des Lebens. Und nun soll er einfach nicht mehr hergestellt werden? Wie furchtbar! Nach kurzer Schockstarre jedoch umgarnte mich Milde, denn: Habe ich noch so ein Teil? Nein! Würde ich mir einen kaufen? Nein! Ist der WALKMAN zeitgemäß? Nein! Irgendwie ist dieses Gefühl der unangebrachten Trauer ähnlich, wie bei der Schließung eines örtlichen Hallenbades: die ganze Stadt tobt, Unterschriften werden gesammelt, doch wenn man sich dann mal fragt, wann man selbst sich zum letzten Mal im Planschbecken der Heimatgemeinde eingefunden hat, kommt die Ernüchterung. Egal, Trauer muss sein. Doch diese kleine WALKMAN-Story hat tatsächlich ein AutoReverse eingebaut, auf Deutsch: eine überraschende Wendung. Zwar meldet Sony den definitiven Produktionsstopp für Japan, aber (Zitat aus dem Handlesblatt) "für 2011 sehen wir hierzulande noch ausreichend Marktpotenzial und werden dieses auch bedienen.“ Ein Produkt von vorgestern hat bei uns also noch genügend Verkaufschancen - spricht das jetzt FÜR oder GEGEN unser Land? Fest steht: ich denke gerade ernsthaft darüber nach, mir doch noch einen zu kaufen ...

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Sie werden jünger (Oktober 2010)

Zu den ersten Erkenntnissen am Beginn des Lebens gehört:
alle sind älter als man selbst. Zwar wird unter Grundschulkindern schon ein Altersunterschied von wenigen Wochen als beträchtlich empfunden, doch hat man als Dreikäsehoch diesbezüglich eine gewisse Großzügigkeit und sieht sogar die stufenhöheren Wasserbombenschmeißer irgendwie zumindest als Gleichaltrige. Wir sind wir, die sind die - dieses Gefühl hält lange, bei manchen sehr lange, und umso bitterer schmeckt die Erkenntnis, dass man altert und die Welt der Jüngeren immer größer, bedeutender und bedrohlicher wird. 

Es fängt an mit den Fußballspielern: "Der alte Sack da vorne soll jünger sein als ich?!" Jens Nowotny war so einer, der früh diese Frage in mir hochschnellen ließ. Die Zahl der Älteren in diesem Sport schrumpft stetig, die Suche nach vertrauten Geburtsdaten im Kicker-Sonderheft dauert immer länger - und bald ist nicht mal der dritte Torwart eines Regionalligavereins als Jahrgangsgefährte geblieben. Ein Prozess der schleicht und deshalb gut verkraftbar ist. Bei anderen Berufsgruppen jedoch kommt die "Sie-werden-jünger-Kelle" quasi über Nacht ...

Eines Tages suchte ich in einer komplizierten Rechtssache den Beistand eines erfahrenen Anwalts. Dieser von Freunden empfohlene, erfahrene Anwalt sah irgendwie sehr jung aus. Lustig! Lustig?! Der wird doch nicht etwa WIRKLICH jünger sein? Und wenn ja: wie will der mir dann weiterhelfen? Anwälte müssen älter sein, Politiker müssen älter sein, Bahnschaffner, Blumenverkäufer, Piloten, bestimmte Berufsvertreter müssen einfach älter sein! Doch es hilft nichts, sie werden jünger. Neulich saß ich beim Zahnarzt, eine komplizierte Wurzelbehandlung wartete. Die Arzthelferin fand beruhigende Worte, doch versetzte sie mich in einen Schock, als sie verriet, das sie nicht die Arzthelferin war, sondern die Ärztin. "Weg da, Sie können das nicht können!", dachte ich, als die höchstens 30-Jährige zum Bohrer griff. Doch, sie konnte es. Sie war erfahren. So wie der Anwalt. Und wie er war sie jünger. 

Ich schaue jetzt immer mehr Golf, Bernhard Langer ist gerade 53 geworden. Das beruhigt!

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Gebrochene Erwartungen (September 2010)

"Äh, hallo, junger Mann, geht es hier lang zum Stadttheater?" Die verdatterte alte Dame zeigt in den Sonnenwall Richtung Südosten, Marientor. "Nein, nein, meine Dame, zum Stadttheater geht es in die andere Richtung. 250 Meter dort lang, dann links." Zur Info: Das gesuchte Theater liegt im Nordosten unseres zufälligen Treffpunkts am Kreuz Königstraße, Sonnenwall in Duisburg-City. "Oh ja, vielen Dank, junger Mann". Die alte Dame schenkt mir ein freundliches, faltiges Lächeln, dreht um - und geht in den Sonnenwall Richtung Südosten, Marientor. Ui, ui, habe ich mich etwa unklar ausgedrückt? Ist die Frau nicht mehr zurechnungsfähig? Oder werde ich hier gerade vom Stadtfernsehen verarscht? Ich laufe ihr nach, lege die Hand auf ihre Schulter und sage: "Entschuldigung, Sie müssen DORT lang." - "Ne, ich muss DORT lang." - "Ne, Sie müssen DORT lang." - "Ne, ich muss DORT lang." - "Ne, Sie müssen DORT lang." - "Ne, ich muss DORT lang." - "Ne, Sie müssen DORRRRT lang, wenn Sie zum Stadttheater möchten, verdammt!" - "Aber ich will jetzt gar nicht zum Stadttheater." Die alte Frau geht weiter in den Sonnenwall Richtung Südosten, Marientor. Ihr krummer Rücken wir immer kleiner. Es dauert zwei Minuten bis ich mich von dem Schock erhole. Dann dämmert es mir:

Diese Frau hat etwas Geniales vollbracht, sie hat Untrennbares getrennt. Während ansonsten Frage und Zweck dieser Frage eine Einheit bilden, hat sie den beiden zur Eigenständigkeit verholfen. Eine Revolution des Nach-Dem-Weg-Frag-Rituals! So, du alter Taxi-Kutscher da vorne, jetzt bist du fällig! "Hallo, können Sie mich zum Flughafen fahren?" - "Sischer." - "Ja dann, schönen Tag noch, da will ich nämlich erst nächste Woche hin." Nichts verblüfft so sehr wie gebrochene Erwartungen. 

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Mein erstes Promi-Bild 
(August 2010)

Hätte ich alle A-, B- oder C-Promis, die mir beruflich und privat in den letzten 100 Jahren vor die Flinte gelaufen sind, um ein gemeinsames Foto ersucht, die Galerie wäre gut gefüllt. Klingt prahlerisch, is' aber so: Thomas Gottschalk, Jörg Kachelmann (!), Jack Johnson, Gerhard Schröder, Otto, Cindy Crawford, Bata Illic. Wow! ;-) Manchmal bin ich froh, dass sie und ich uns gegenseitig haben links liegen lassen, manchmal ärgere ich mich, denn irgendwie wäre eine Fotostrecke mit meinen "Freunden" (viele bezeichnen ihre Promi-Opfer gerne als solche) doch auch ganz nett. Als Sechsjähriger hätte ich meine Sammlung beginnen können: da traf ich (kein Witz) auf dem Moerser Trödelmarkt keinen geringeren als den fingierten Russenbarden Ivan Rebroff. Leider war die um meinen Hals baumelnde Kamera in Wahrheit eine Wasserpistole. Pech gehabt: Keine Kamera, kein Bild, kein Auftakt einer Promi-Galerie, die mir heute bei Gagenverhandlungen mit unerfahrenen Tanzschulbesitzern aus Xanten vielleicht ein paar Euro mehr bringen könnte. Nun ist es längst zu spät, um mit so was anzufangen - oder? 

Entgegen sonstiger Gewohnheiten kam ich letzte Woche überpünktlich zum Konzert der Rock-Legenden von Foreigner in die Zeche, Bochum. Ein riesiger Bus versperrte die Auffahrt. "Mein Gott, jetzt werden die Foreigner-Fans schon mit dem Bus aus Bad Kreuznach hierhin gekarrt!", dachte ich. Aber: es war der offizielle Tour-Bus, und fröhlich heraus spazierten die in Würde gereiften Alt-Rocker. Gutes Timing! Bandgründer Mick Jones schüttelt geduldig allerlei Fanpranken, eine Wuchtbrumme namens Rita lässt sich ihr T-Shirt mit der Aufschrift "Dirty White Girl" von Mick signieren. Rock trifft Fernsehgarten - herrlich! "Wo bleibt denn der Sänger?",  frage ich den Security-Mann. Zur Info: Foreigner lebten in ihrer Bestzeit (die lange her ist) vor allem vom Charisma ihres Leaders Lou Gramm, der irgendwann ausstieg und nach schwerer Krankheit inzwischen nur noch für Baumarkteinweihungen in Illinois gebucht wird. Kelly Hansen heißt der Neue, für mich einer der besten Rock-Sänger der Welt. Schon als Frontmann der Metal-Band "Hurricane" wusste Hansen mächtig zu imponieren, ein mehr als würdiger Nachfolger. Das bringt Lou Gramm zwar nicht zurück, hält aber das Foreigner-Gefühl am Leben, während einstige Hoffnungsträger wie Nickelback nur noch schändliche Witzeleien durch die Hitradios schicken. "Da kommt jemand. Isser das? Ja, das isser!" Irgendwie ist es mir dann wohl rausgerutscht: "Kelly, do you have time for a foto?" Da war er wieder, der kleine Junge Ludger K.: Gestern noch mit Wasserpistole neben Ivan Rebroff, heute mit iphone neben Kelly Hansen. Wie, den kennt keiner?! Egal, für mich gilt: "Feels like the first time"! :-)

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"Southside, can you hear me?!" (Juli 2010)

Auf dem Hurricane-Rock-Festival erfüllte mir mein Beruf erneut einen Kindheitstraum: ein mal mit 100.000 anderen Jugendlichen (ok, das trifft auf mich nur noch bedingt zu) und eingefleischten Rock-Liebhabern (ok, auch das trifft auf mich nur bedingt zu) unter freiem Himmel vier Nächte zum Tag machen - mit lauten Gitarren, Bier, Bratwurst und Dixi-Kajüten, HERRLICH! Als ich am Bahnhof ankam und über die ersten minderjährigen Schnapsleichen zum Festivalbüro lief, dabei einen Blick auf jede Menge einstürzende Zeltkonstruktionen warf, dachte ich: "Wie schön! Schön, dass ich in einem Hotel untergebracht bin." Zur Info: Ich hatte die Ehre, beim Traditionsevent "Hurricane" (nahe Bremen) parallel zu den Stone Temple Pilots, Skunk Anansie oder Massive Attack ein paar Varieté-Shows moderieren zu dürfen, und auch wenn meine ersten Zeilen hier viel Ironie tragen: Ich habe die Zeit dort sehr genossen! Vor allem im Backstagebereich: wenn in Leder gehüllte Musiker, die aussehen wie auf einem Frank-Zappa-Doppelgängerwettbewerb, brav in Reih und Glied auf Pasta oder Milchkaffee warten, so ist allein dieser Anblick unbezahlbar. Wir sind doch alle nur Menschen, oder? Das bewies auch Mr. Maxi Jazz, Sänger der Kultband Faithless: Da "Hurricane" aus strategischen Gründen im Süden der Republik eine exakte Entsprechung namens "Southside" hat (und das auch noch zur selben Zeit), schien Herr Jazz die von Regengüssen vermatschten Campinggelände nicht mehr unterscheiden zu können. "Southside, can you hear me?", brüllte er den Hurricane-Besuchern entgegen. "Junge, da warst du gestern, heut' is Hurricane!", dachten alle, waren aber milde mit ihrem Star. "Yeah, yeah", so die falsche, aber von viel Wohlwollen getragene Antwort. Vielleicht sollten wir mit unseren Politkern auch mal so nachsichtig sein, statt ihnen jeden kleinen Fauxpas noch Jahre später gnadenlos um die Ohren zu hauen. "Angie, we don't love you, but we will rock you!"

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Hoffmann & Hoffmann: Tragisch! (Juni 2010)

Das Tagebuch diesmal als verfilmtes Hörbuch - 
mein Gott, bin ich modern! 
Man könnte auch sagen: 
kurzfristig ein wenig 
schreibfaul. ;-)

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Wellpappen Peters (Mai 2010)

Immer wieder treffen wir Leute, mit denen uns nur ein kurzer, gemeinsamer Abschnitt unseres Lebens verbindet und die uns daher - wohl verständlich - ausschließlich auf jenen Lebensabschnitt und die darin geschehenen Geschehnisse reduzieren. Als Schüler verdingte ich mich einst für ein kleines Zubrot im Rahmen eines Sommerjobs bei Wellpappen Peters in Kapellen. Die dortige Arbeit war (gelinde gesprochen) eher unakademisch: An einer Auswurfmaschine ausharren, Wellpappen auf Paletten pappen und dann auf die nächste Wellpappe zum Pappen warten. Nur eine knappe, wenngleich ob ihrer Intensität unendlich lang anmutende Woche dauerte dieses Abenteuer, und der Zeitpunkt meiner letzten gepappten Wellpappe ist nun über 20 Jahre her. In Wort: ZWANZIG! Vor ein paar Wochen traf ich einen meiner damaligen Fließband-Gefährten wieder. "Hey, wir kennen uns doch, oder?" Richtig, ER war der Typ mit den weißen Cowboy-Stiefeln, ICH der Asi mit dem hellbraunen ellesse-Stirnband; ein Wunder, dass wir einander wiedererkannten. "Und, bisse noch bei Wellpappen Peters in Kapellen?", fragt er. Stille. "Ne, ne", sage ich, "da bin ich schon lange nicht mehr. Ich bin jetzt bei Kalle Karton in Kaarst.

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Amtrak (April 2010)

Auch wenn selbsternannte deutsche Intellektuelle gerne die Unterschiede zwischen uns und den USA betonen, im Grunde sind die Amis und wir gleich: auch die Amerikaner lieben ihre Kinder, hassen Politiker, begeistern sich für Sport und gehen morgens ungern zur Arbeit. Klar, manches läuft bei denen anders. Oder bei uns, je nachdem auf welcher Seite des Atlantiks man argumentiert. Nach meinen beiden USA-Reisen werde ich oft gefragt, was denn am prägnantesten von in der Heimat Gewohntem abweicht. Antwort: das Zugfahren. Zwar schickt unsere geliebte Deutsche Bahn genau wie das amerikanische Ponton Amtrak die Züge auf Schienen durchs heimatliche Geschehen, aber das war's dann schon mit den Gemeinsamkeiten. Als exemplarischer Beleg soll folgender Dialog dienen, der sich am prachtvollen Bahnhof  Washington D.C. wirklich so (oder so ähnlich) ereignet hat:

"Hey, wo wollen Sie hin?" "Zum Gleis." "Haben Sie denn ein Ticket?" "Nö, das kaufe ich im Zug, bin spät dran." "Das geht nicht, das müssen Sie bei mir kaufen. Name? Ausweis?" "Ist das wirklich nötig?" "Natürlich, Sie wollen doch ein Ticket." "Schon, aber zu Hause brauchen wir so was nicht." "Woher kommen Sie?" "Europa, Deutschland." "Sind Sie von da geflüchtet?" "Ne, die haben mich gehen lassen." "Aha. Sie haben Glück, der nächste Zug ist fast ausverkauft." "Ausverkauft? So was gibt's?" "Natürlich. Bei Ihnen nicht?" "Nö, einen ausverkauften Zug habe ich noch nie erlebt, und ich reise viel mit der Bahn." "Also fährt bei Ihnen kaum jemand Zug?" "Doch, doch, und wie. Nur AUSVERKAUFT gibt's bei uns irgendwie nicht." "Aber was ist denn, wenn mehr Tickets verkauft werden, als es Sitze gibt?" "Dann ist es eine ganz normale Zugfahrt in Deutschland." "Ja, wo halten sich denn dann die überzähligen Passagiere auf?" "Auf dem Gang." "Und es beklagt sich niemand?" "Doch, doch, die Leute maulen und fluchen alle." "Was ist, wenn jemand nicht mehr stehen kann?" "Dann setzt der sich auf die Treppe." "Treppe?" "Treppe! Oder auf seinen Koffer." "Warum ist der Koffer nicht im Gepäckwagen?" "Es gibt keinen Gepäckwagen, wir nehmen unser Gepäck einfach mit rein." "Das muss nicht aufgegeben werden? Wie leichtsinnig! Was ist, wenn jemand 10 Koffer mitnehmen will und 10 Taschen?" "Dann nimmt der seine 10 Koffer und 10 Taschen und stellt die in den Gang." "Wer kontrolliert den Inhalt?" "Die Ehefrau beim Packen." "Unglaublich."

"Jetzt habe ICH mal eine Frage: Warum ist das Gleis menschenleer, obwohl der Zug doch fast ausverkauft ist?" "Man darf erst dorthin, nachdem der Zug eingelaufen ist, der Kontrolleur Ihr Tickt geprüft hat und Sie dann dorthin lässt." "Moment mal, was ist denn, wenn ich meiner Geliebten zum Abschied winken will?" "Das geht nicht, das müssen Sie hier machen." "Hier in der Eingangshalle? Sollen wir uns gegenüber hinstellen und fröhlich zuwinken, wie bescheuert sieht das denn aus?" "Alles andere ist mit unseren Sicherheitsbestimmungen nicht vereinbar, wir können doch nicht jeden ans Gleis lassen." "Bei uns darf jeder ans Gleis." "Auch ohne Ticket?" "Auch ohne Ticket." "Auch kleine Kinder?" "Gerade die." "Aber Kinder rennen doch rum, schubsen sich, spielen. Und wenn dann die Züge durchfahren ... Eure Züge sind nicht sehr schnell, oder?" "Na ja, bis zu 200 Meilen pro Stunde." "OH MEIN GOTT! Wie viele Unfälle passieren bei euch?" "Unfälle gibt es kaum. Und wenn, dann sind eigentlich nie die Fahrgäste schuld." "Wie viele Anschläge gibt es mit Hilfe unkontrollierter Gepäckstücke?" "Mir ist diesbezüglich nichts bekannt. Ein mal hat ein Typ im Ballacktrikot erfolglos einen Anschlag verüben wollen. Der ist aber selber gar nicht gefahren." "WAS für ein Trikot?" "Ballack. Ach, vergessen Sie's." "Also: Wer bei euch in Deutschland Zug fährt, kann sein Ticket wenn's knapp wird drinnen kaufen, braucht kein Gepäck aufzugeben, kann Drogen und Waffen reinschmuggeln und hat keinen Anspruch auf einen Sitzplatz. Kinder können wenn der Zug mit 200 Sachen durchfährt am Gleis Fangen spielen oder einen Hürdenlauf über unzählige Koffer veranstalten. richtig?" "Stimmt genau." "Dann verkaufe ich Ihnen jetzt mal ihr Ticket." "Ne, ich glaube, ich fahre lieber mit dem Bus." "Warum?" "Das ist mir hier alles zu unsicher."

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Nein danke! (März 2010)

Dortmund. Cabaret Queue. Auftrittsende. "Hey, Ludger, draußen warten zwei Teenager auf dich!" Dass Tonmann Peter diesen Satz geradezu megafonhaft über die Flure des Theaters schallen lässt, ist mir gar nicht unlieb. Sollen doch alle hören, wie angesagt ich in der werberelevanten Zielgruppe bin. Im Foyer erblicke ich zwei nette, sehr junge Mädchen aus der  Pferdepostergeneration. "Duu, hast du auch eine CDee?" - "Klar, im Auto, bin gleich zurück ..." Natürlich stecke ich für Mädchen Nr. 2 ein zusätzliches Exemplar ein. "Soo, hier deine CD." - "Wie teuer ist die denn?" - "Die schenke ich dir." - "Toll!" - "Gerne. Und dir schenke ich auch eine" - "Nein danke." 

Wahnsinn: die wohl vornehmlich als schweigsame Begleitung mitgereiste junge Dame findet mich offenbar derart doof, dass sie sogar eine geschenkte CD ablehnt. So viel Ehrlichkeit würde ich mir in der deutschen Politik auch mal wünschen. 

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Die Wahrheit über Öttingers Schwänglisch (Februar 2010)

Oft übertreiben wir es mit unserem Spott, wenn ein deutscher Prominenter sich auf dem Terrain der englischen Sprache schwer tut. Beispiel Lothar Matthäus: an seinem ersten Tag bei den New Jersey Metro Stars (heute Red Bulls New York) fasste sich Lothar ein Herz und sprach: 
„I hope we have a little bit lucky“, um dafür wochenlang in deutschen Medien durch den Kakao gezogen zu werden. Den Amerikanern indes war das völlig egal, sie waren sogar froh darüber, dass zumindest EINER aus ihrer Welt-Elf ein paar Brocken Englisch zustande brachte. Unzählige Male versuchte ich Lothar vor Freunden zu verteidigen – vergeblich. Jüngst frohlockte Guido Westerwelle auf einer internationalen PK in bester Heinrich-Lübke-Manier: „The Aufschwung is da!“ Auch hier hagelte es Hohn, auch hier hob ich mein Schutzschild, denn: würden WIR es nach einer durchzechten Wahlnacht wirklich besser machen? Nun aber kommt Öttinger, und bei dessen auf youtube zum Hit avancierten Auftritt als EU-Energie-Koryphäe kann auch ich nicht mehr innehalten: Mein Gott, ist das lustig! Doch nachdem ich mir die Tränen der Entzückung aus den Augen gewischt habe, wächst nun ein schlimmer Verdacht in mir. War sein Gestammel am Ende nur ein Ablenkungsmanöver?

Wir alle reden bloß über den Vortrag als solchen und versäumen dabei, den INHALT Öttingers Gebaren unter die Lupe zu nehmen. Tenor: „Wir sitzen alle im selben Boot, alles hängt zusammen, nicht jeder darf machen, was er will, bla, bla, bla, ...“Ein Platitudenfeuerwerk auf unterstem Grundschulniveau; bei „normalen“ Umständen würde die deutsche Korrespondenz-Prominenz um Jörges, Markwort & Co. diese Luftblasen genüsslich zum Platzen bringen - doch derlei bleibt Öttinger erspart. Vielleicht war das ja Taktik, und der gewitzte Schwabe sah beim morgendlichen Blick auf sein Ghostwriter-Skript in einem  unerquicklichen Schwänglisch den letzten Ausweg vor drohender inhaltlicher Konfrontation. Falls das stimmt: Räschpäkt!

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I`m dreaming (Januar 2010)

Mein Gastspiel auf der AIDAluna hielt zum Ende des Jahres noch einmal echtes Neuland für mich bereit - im übertragenen und im wahren Sinne, denn auf den angesteuerten Kanarischen Inseln war ich zuvor noch nie gewesen. In deutschem Schneegestöber aufgebrochen, in praller Sonne bei 26 Grad gelandet - wow!
Es ist der zweite Wehnachtstag, ich schlendere vom Flughafenrollband gen Taxistand und beobachte die Einheimischen. "Canarias libre, Canarias libre!", brülllt jemand lauthals den Touristen entgegen. Nein danke, denke ich, für Cocktails ist es noch zu früh. Auf dem Vorplatz erklingt im Taxi-Kanon der lokale Radiosender und spielt einen echten Klassiker: Bing Crosby, I'm dreaming of a White Christmas. Mein erster Gedanke: da könnt ihr HIER aber lange träumen. ;-) Fortsetzung folgt!

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Bayrische Errungenschaft
(Dezember 2009)

Am
letzten Novemberwochenende führte mich mein Torplan nach München. Eine hinreißende Stadt mit vielen Kaffeehäusern und noch mehr Nobel-Läden. Auf der ruhmreichen Maximilianstraße ging ich an einem Möbelhaus vorbei. Es war kein konventionelles Möbelhaus à la Roller, Poco, Bernskötter oder IKEA, es war ein Geschäft mit Alleinstellungsanspruch - hier hatten Designer aus ihrer Fantasie Unikate werden lassen. Ich blickte ins Schaufenster, und zurück blickte ein Mobiliar, das mich ob seiner unfassbaren Schönheit erstarren ließ; allein der Kerzenständer auf dem Beistelltisch wäre einen Doppelmord wert gewesen. Im Zentrum der Glückseligkeit prangte ein Sofa, das minutenlang zu mir rüber blickte. Es war mehr als ein Sofa, denn es vereinte erhabene Schlichtheit mit unverschämt greller Farbenpracht. Nach einer Weile wusste ich: das ist Liebe, und ich will dieses Ding haben, koste es was es wolle! Ich werde es von einer scheißteuren deutschen Spedition liefern lassen, deren Fahrer und Packer allesamt ein abgeschlossene Auslandsstudium haben und die Waren mit Hilfe handgefertigter Kalbslederriemen lächelnd jede Altbautreppe hochschleppen. Warum immer sparen? Billig is blöd, geiz is grässlich, ich liebe das Leben, drum her mit dir, du betörendes Designerstück! 

"Grüß Gott, kann ich helfen?" - "Ja, ich will das Ding da hinten. Was kostet es?" - "14.000 Euro."  PAUSE. "Äh, ich meine den Kerzenständer." Einen Tag später blicke ich stolz auf meine bayrische Errungenschaft, die eine eigenwillige Liaison aus 40% Lebenslust und 60% Vernunft zu mir brachte. Eine passende Kerze hatte ich übrigens noch - von IKEA.

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Jetzt hol' schon endlich die Kartoffel!
(November 2009)

Anfang der 70er schufen Filmemacher im Auftrag des ZDF einen atemberaubenden Vierteiler: "Der Seewolf", heute oft als Meilenstein des Fernsehens gewürdigt. Rotschopf Raimund Harmstorf spielte die Rolle seines Lebens, und wir Jungs hingen auch bei der x-ten Wiederholung noch gebannt vor den schwarz-weiß flimmernden TV-Geräten. Besonders prägnant war die Szene, in der der Seewolf mit bloßer Hand eine Kartoffel zerquetscht - unzählige Nachahmungsversuche auf dem Pausenhof scheiterten, sogar als einige von uns die Kartoffel durch ein rohes Ei ersetzen. Egal, wir sind Seewolf! Auch mit gerade mal 1,40 Meter. 

In diesem Jahr belästigen uns gleich zwei große Sender mit ihren aufwendigen Neuverfilmungen, erst Pro7 und nun zu Monatsbeginn auch das ZDF. Näher an der Vorlage sollen beide Filme sein, sie nähmen sich mehr Zeit, heißt es. Aber wozu? Sowohl im Vorfeld, als auch beim Zusehen und ebenso in der Nachbetrachtung geht es nur um eine Frage: Wann und auf welche Weise zerdrückt der Kapitän die Kartoffel? Alles andere ist egal. Die "Ghost" (das Schiff) plätschert im Pazifik, Humphrey van Weyden (der Antagonist) erklärt den Sinn der modernen Welt, Maud Brewster (die Frau) macht einen auf Deutschland-Achter alleine. Nach knapp einer Stunde höre ich das Kind in mir aufschreien: Jetzt hol' schon endlich die Kartoffel!

Schon faszinierend, wie sich große Filme, Serien und sogar historische Ereignisse irgendwann nur noch auf eine (vermeintliche) Schlüsselszene reduzieren lassen müssen. Beispiel John F. Kennedy: vier Tage war der Mann damals in Berlin, so lange wie kein Präsident zuvor oder danach, es wurden bedeutende Verträge geschlossen, die zum Teil heute noch Gültigkeit besitzen. Doch ganze vier Worte genügen für eine erschöpfende Zusammenfassung seines Deutschlandbesuchs: ICH BIN EIN BERLINER! Was könnten wir nicht Geld und Zeit sparen, wenn wir das alles vorher wüssten ...

Noch mal zum Seewolf: Ich bin kein bräsiger Nostalgiker und durchaus offen für Neuverfilmungen aller Art - aber diesen hier fehlt etwas, das sich auch mit hohen Produktionskosten nicht erschaffen lässt: Charme. Schade.

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Ich hab noch Sand in den Schuhen von Schwerin
(Oktober 2009)

Schwerin. Deutschland. Mitternacht. Nach meinem Auftritt im örtlichen SPEICHER wollte ich in aller Ruhe den Weg zum Hotel antreten, um am nächsten Morgen ausgeruht nach Rostock weiterzufahren. Ausnahmsweise war ich mit dem Auto unterwegs, das in einer von Nachttischlampen aus der Nachbarschaft und vorbei fahrenden Fahrrädern schummrig angeleuchteten Einfahrt auf mich wartete. "Ganz schön eng hier", dachte ich, "am besten, ich dreh und fahr vorne raus, die Sandpartie vor dem Asphalt ist sicher kein Problem für mein Auto - oder?" Und schwupps stecke ich fest!

Mit Engelszungen redet die Veranstalterin auf mich ein: "Das wird schon, ich schieb deinen Wagen an, und du bist im Nu wieder draußen." Nix. Je lauter der Wagen aufheult, umso tiefer sacke ich ins innerstädtische Strandparadies. Es wird immer später. "Ludger, wir müssen den Sand mit den Händen frei schaufeln!" Gute Idee, dann mal los. Plötzlich kommt ein Mann mit Fratze und einer Frau im Schlepptau in die Einfahrt. Beide sturzbesoffen. Sie tapsen vor mein Auto, ducken sich. Stille. Minutenlang. Was ist los? Gibt's da hinten ein Stargate? "HALLO?!" Ich fühle mich wie in einem Film von Aktenzeichen XY. Da taucht die Fratze wieder auf und schreit: "MEINE FRAU MUSS NUR KOTZEN!" Spätestens da weiß ich: gleich wache ich auf, und alles wird gut. Doch weil die Szenerie noch unrealistischer ist als in einem Traum, ist klar: das alles passiert grade wirklich! Ich stecke fest, es ist dunkel und kalt, und eine Schwerinerin bekotzt meinen Kühlergrill. Ich werde den Rest meines Lebens hier im Sand verbringen müssen. Hilfe, ADAC!

Irgendwann biegt ein gelb lackierter Endlosschlepper um die Ecke. "Mit dem komm ich aber nich inn Einfahrt rrein", ruft der gelbe Engel aus dem Fahrerfenster. "Richtig, das hatte ich aber  Ihrer Telefon-Fachfrau bereits vorher gesagt." Vor meinem geistigen Auge bilden alle von mir während der Grundschulzeit gedemütigten Klassenkameraden eine Menschenkette und rufen: "Ludger, wir stecken dahinter, das ist unsere Rache!" Ich rufe zurück: "Es tut mir leid, deine Schwester ist nicht hässlich, und dein Klapprad war wunderschön, wir waren alle bloß neidisch. Holt mich hier raus!!!"

Ein Jeep ist es letztlich, der mich aus dem Sand zu ziehen vermag. "Wer weiß, wofür es gut ist", sagt die Veranstaltern, die bis zum bitteren Ende mit mir gewartet hat. Ja, beim nächsten Mal werde ich alles, was nach Sand aussieht, meiden. Alle Sand-Metaphern erscheinen mir nun ganz anders: Auf Sand gebaut, Sand im Getriebe, Mr. Sandman - fehlt nur noch, dass jetzt auf WDR4 Bata Illic läuft mit "Ich hab noch Sand in den Schuhen von Schwerin". Aber das ist natürlich total unrealistisch - in Meck-Pomm gibt es schließlich kein WDR4. 

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... und draußen is' Roberto Blanco!
(September 2009)

Auf der AIDA aura schipperte ich im August durch den Norden Europas, u. a. nach Norwegen, Island und zum schottischen Loch Ness. Stille Städtchen, unglaubliche Umweltpanoramen und lehrreiche Landausflüge gaben Langeweile keine Chance. Die üppige Verpflegung und ein liebliches Bord-Theater ließen schnell nur ein Fazit zu: So eine Kreuzfahrt ist genau mein Ding! Gegen Ende der Reise machten wir Station in Reykjavik; in einem Café genieße ich die Isländische Gemütlichkeit und nutze die Pause für ein kurzes Telefonat mit meiner Mutter. "Und, is schön?" - "Ja, Mama, das Wetter ist toll, die Menschen sind nett ... und draußen is' Roberto Blanco."

Wie erstarrt blickte ich durchs Fenster auf eine Traube deutscher Digital-Terroristen, die unseren Spaß-Barden Roberto im Schwitzkasten der Objektive gefangen nahmen - mitten in der nördlichsten Hauptstadt Europas. Ich hatte in Island wirklich mit allem gerechnet: frei laufende Wildpferde, Lavaströme, Eisbären - aber Roberto Blanco?! Es stellte sich raus: Blanco war an Bord des Traumschiffs, das zufällig zeitgleich am Hafen Station machte. Und als ob sein Auftritt in der Stadt nicht schon genug gewesen wäre, zog er später, als abgelegt wurde, noch mal alle Register an Deck, warf Küsschen von Schiff zu Schiff und sang unaufgefordert, unaufhörlich und mit einem bugbreiten Lachen seinen patentierten Wahlspruch: Ein bisschen Spaß muss sein! Das Publikum tobte, ich hatte ein Riesenthema für meinen Auftritt in der Tasche, und mir wurde klar, dass das alles kein Zufall sein konnte, denn: der unkaputtbare Roberto ist wie die Sonne auf Island - er wird niemals richtig untergehen. Respekt!

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Wo ist das Zentrum?
(Juli/August 2009)

Zu Monatsbeginn führte mich mein Komödiantendasein in die Nähe von Koblenz; Kollege Matthias Jung hatte ein paar Kollegen zum Stelldichein auf einer Bühne im benachbarten Mülheim-Kärlich geladen. Schmissig und pointenreich verlief der Abend, doch die größte Belustigung erlebte ich einen Tag später im Gespräch mit einem örtlichen Busfahrer ...

„Guten Tag, ich möchte nach Koblenz, wo steige ich am besten aus, wenn ich einen Stadtbummel machen möchte?“

„`s kann ich Ihnen net saache, `s kommt ganz drauf an, wo se hinwolle.“ (Hinweis: der Rheinland-Pfälzer an sich ist in seiner Sozialisation stark von Samson aus der Sesamstraße beeinflusst, blickt einem Ortsunkundigen aus Respekt nie in die Augen, und Hochdeutsch gilt in seiner Heimat als Fremdsprache.)

„Na ja, äh, ich möchte ins Zentrum.“

„Tja, wo is `s Zentrum? Die einen saachen so, die annern so.“

„Einfach mitten rein in die Stadt, möglichst zentral.“

Pause. Wo ist das Zentrum? Samson ist offenbar völlig überfordert und flüchtet in Schweigsamkeit.

„Wissen Sie was, ich steige einfach eine Haltestelle vorm Hauptbahnhof aus und frage mich dann durch, ok? Wie heißt denn die letzte Haltestelle vorm Bahnhof?

„Koblenz-Zentrum.“

„Danke.“

Nur zur Klarstellung: Koblenz ist eine wunderbare Stadt, an deren Ufern der Rhein die Mosel küsst – allein der Ausblick auf einer der Brücken ist eine Reise wert und entschädigt für alles. Man muss ja nicht über Mülheim-Kärlich fahren.

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Standesgemäß
(Mai/Juni 2009)

SPRINGTIME hieß die abwechselnd von mir und Matthias Brodowy moderierte zweimonatige Spielzeit im GOP-Varieté in Essen, die ich standesgemäß mit einem Solo-Abend im Juni abschließen durfte. Wenn dann auch noch derart kreative und angemessen gekleidete junge Damen auf einen im Foyer warten, so darf man wohl getrost von einer gelungen Zeit sprechen. Danke! :-)

Für alle "Neulinge" auf dieser Seite könnte folgender Link einiges zum Shirt-Aufdruck erklären: 

http://www.youtube.com/watch?v=10VhNexWTl8 <- (c) Christian Hirdes, Ludger K.

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Just go for it! Kim Wilde in Bochum
(April 2009)

Was hätte ich als Bub drum gegeben, ein mal die britische Pop-Ikone Kim Wilde live erleben zu dürfen. Statt dessen musste der Bravo-Starschnitt reichen und ihr regelmäßiges Stelldichein bei Mal-Sondocks-Hitparade (für alle Nicht-NRWler: das war eine Kult-Radiosendung auf WDR2). Konzertbesuche mit 11 Jahren sahen Eltern damals eben nicht so gerne. Als ich später zum Manne reifte und selbst hätte entscheiden können, war die gute Kim leider von den großen Bühnen verschwunden - jetzt kehrte sie zurück, Kim Wilde in der Zeche Bochum. Ein Besuch: Ehrensache! Doch natürlich hatte ich auch Bedenken: Werde ich auf einer Ü30-Party landen mit bräsigen Nostalgikern in Moonwashed-Jeans-Jacke? Wird die gute Kim die Töne versemmeln oder 100 Kilo zugelegt haben wie Alison Moyet beim Yazoo-Revival? Alles Quatsch, es war großartig!

Am Eingang drückte mir ein Mittvierziger erst mal einen Nik-Kershaw-Flyer in die Hand. "Wer will DEN denn noch sehen?", dachte ich. Ach ja, Leute, die Kim Wilde mögen, sind theoretisch natürlich auch seine Zielgruppe, um Gottes Willen! Eine unverschämt coole Vorband legte los, ein gereiftes Erwachsenenpublikum erkannte deren Leistung an und war schier aus dem Häuschen, als Kim Wilde die Bühne betrat. Lederjacke, enge Klamotten und ganz schön blond. Die Hardcorefans in der ersten Reihe sahen zwar so aus wie diejenigen Schulhofkinder, die in der Pause (meist zurecht!) regelmäßig verdroschen worden waren, aber egal, dann bin ich heute Abend eben auch einer von denen. Eines wurde schnell klar: Kim Wilde ist immer noch zu 100% ganz genau so sexy wie ... na ja, sie ist auf jeden Fall noch immer sehr, sehr schön - mit fast 50! Statt mit Equipment aus der Schwarzwaldklinik-Ära einen peinlichen Bentompi-Klang über die Boxen zu jagen, präsentierte die Band die alten Wilde-Hits in wirklich extrem ansprechendem E-Gitarrensound - anders und dennoch so wie gewünscht. Und das Beste: in der Zeche Bochum ist man ganz nah dran, du kannst allen Musikern in die Augen blicken, statt in der LTU-Arena in Reihe 428, Sitz Z, allenfalls ein paar Silhouetten auf Großleinwand erahnen zu müssen. Das war mir eine Lehre: Ich werde mir grundsätzlich keine Konzerte mehr in Stadion ansehen, sondern darauf warten, bis auch die Rolling Stones alt geworden sind und in der Zeche spielen. (Äh, irgendwas stimmt nicht an diesem Satz ...) Kim, just go for it! Go for the second time!

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Münster 
(März 2009)

Zwei Monate im GOP in Münster sind zu Ende. Ich habe gelernt, dass Altenberge einen Bahnhof hat, dass Lüdinghausen ein beliebtes Touristenziel ist und dass es Fahrradfahrer gibt, die aggressiver sind als Porschefahrer. Fazit: Hier lässt sich leben - und spielen. Danke und bis bald! :-)

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Raucherclub  
(Februar 2009)

Mitte letzten Jahres war es endlich auch in NRW soweit: Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden - "Hurra!", schrien meine Lunge, meine Augen und meine Klamotten, endlich Kneipen- und Restaurantbesuche ohne Smogalarm. Doch Sucht macht erfinderisch: flugs wälzten die Tabakschlümpfe die Gesetzestexte und entdeckten im Dunst der Paragraphen eine Lücke. Folge: der Raucherclub wurde geboren, eigentlich einer geschlossenen Gesellschaft vorbehalten, doch nach und nach ein Fluchtsigel für alle, geduldet von der um Wählerstimmen fürchtenden Politik. Nun gilt also ein flächendeckendes, theoretisches Rauchverbot, das aber faktisch nicht existiert, weil jeder Depp sein Terrain als Raucherclub klassifizieren darf, ohne dafür auch nur das kleinste Kriterium erfüllen zu müssen. Keine Aufnahmelisten mehr nötig, keine Hürden, nix. Das Wörtchen „Club“ macht aus Gesetzesverstößen geduldete Handlungen, genial! Wie wär’s: Ihr zerhackt euren Partner und geht straffrei aus, weil an der Haustür ein Schild „Mörderclub“ hängt. Oder: ein Türsteher haut einem Gast erst mal gehörig eins auf die Zwölf, und bei Beschwerden sagt er einfach: Dies ist ein „Fight Club“. Jahrzehntelang war es schlimm genug, dass die feigen Volksvertreter den Mantel des Schweigens über den Nebel des Grauens legten, doch ich hatte mich irgendwie arrangiert mit der unvermeidbaren Giftgasgegenwart. Eines aber mag ich so gar nicht: Verarscht werden! Drum lasst uns lieber zur „guten“ alten Regelung zurückkehren: Rauchen überall erlaubt - ist ja auch viel gerechter. (Hinweis: das behaupten viele WIRKLICH!) Oder besser noch: Einführung einer Raucherpflicht - wer nicht mindestens eine Schachtel pro Tag qualmt, muss ins Gefängnis. Falls die Knastkantine nicht auch ein Raucherclub ist, geh ich schon mal freiwillig.

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Paralleluniversum 
(Januar 2009)

Meine letzten Auftritte im Jahr 2008 führten mich in den Quatsch Comedy Club nach Berlin. Das Theater befindet sich im Gebäude des Friedrichstadtpalastes, früher DAS kulturelle Aushängeschild der DDR und auch heute noch ein Prunkstück Berliner Abendunterhaltung. Heute wie damals geben dort auf der riesigen Hauptbühne streng choreographierte, internationale, nicht selten 100 Menschen umfassende Ensembles ihr Stelldichein mit Akrobatik, Radau, Orchester und versenkbarer Eisfläche, während zur selben Zeit unterm selben Dach nur durch ein paar schalldichte Wände getrennt einsame Stand-Up-Comedians das Scheinwerferlicht im kleinen Saal erblicken. Beide Bühnen sind also eng miteinander verbunden - und doch ist es so, als seien die jeweiligen Künstler meilenweit von einander entfernt. Eines Abends ging ich nach meinem Auftritt die Lieferantenwege entlang und verlief mich. War es diese Tür hier zur Empore des Quatsch Clubs oder diese? Ich drehte das schwarze Griffungetüm des Stahlblaumanns zur Seite - und sah wie unzählige Uniformierte an mir vorbei in ihre Garderoben flitzten. Mein Irrweg hatte mich ins Paralleluniversum geführt, den Backstage-Bereich der aktuellen Aufführung "QI" im Friedrichstadtpalast. Ein wehender Vorhang winkte mich in den Zuschauerraum, und ich erlebte unverhofft eine prunkvolle und herrlich altmodische, multilinguale Sanges- und Tanzrevue mit Schlittschuhbarden und gefühlten 1000 geklonten Tanzblondinen, die wie in einem alten Jopi-Heesters-Streifen ihre Beine bis unters Hallendach schmissen. Großartig! "Hey, ihr da, ich bin ein Kollege, wir arbeiten unterm selben Dach", schrie meine innere Stimme, bevor die Hand des Pausengongs sie wieder zum Schweigen brachte. Ein Zufall hatte mich in diese fremde Welt gebracht und einen stillen Moment der Begegnungsbegierde geweckt, der mich auch zu Hause zum Nachdenken brachte, denn: dass Menschen unter einem Dach leben und nichts voneinander wissen, ist kein Privileg des Friedrichstadtpalastes, sondern es prägt unser ganzes Leben. Wir können es nicht ändern - aber ein seltener Blick hinter den Vorhang erweitert unseren Horizont. Oft macht uns eine falsch gewählte Tür, ein vertauschter Einkaufswagen oder eine unleserlich beschriftete Klingel diesen Blick unerwartet möglich, also: lasst uns die Augen stets geöffnet halten. Frohes Neues Jahr!

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Schneeketten In Oberhausen
(Dezember 2008)

Früher habe ich den Beginn der Weihnachtszeit immer daran erkannt, dass bei Metzen und Rudis Reste Rampe Osterhasen verkauft wurden - doch beide Läden gibt's nicht mehr, und die mentale Einfindung ins besinnliche Jahresende hat sich auch angesichts dauerpräsenter Weihnachtsutensilien in Wohnblöcken, Innenstädten und Werbefilmen bereits ab Mitte Oktober als kalendarisch unpräzise erwiesen. Was tun? Das Wetter hilft in diesem Jahr: 

Am letzten November-Wochenende sanken die Temperaturen binnen weniger Stunden um 10 Grad und ganz NRW war im Nu bedeckt von einem wundervollen Schneemantel. Eigentlich etwas sehr Schönes, ein Grund zum Singen und Fröhlich-Sein: "Schnee-he-flöckchen, weiß Röckchen ..." Doch was passiert? Man wird bombardiert mit Negativschlagzeilen: Unwetterwarnung, Verkehrsinfarkt, Schneechaos. Was ist das überhaupt für ein furchtbares Wort: Schneechaos? Früher hieß das einfach Winter - heute wird bei Schnee nur noch gewarnt, geklagt, gefürchtet. Eine Moderatorin auf N24 hat allen Ernstes in einer Wetter-Sondersendung (!) einen Vertreter des ADAC gefragt: "Muss man jetzt Schneeketten aufziehen?" Ja klar, bei 5 Grad Celsius im Flachland, auf jeden Fall. Stellt euch mal einen VW-Polo in Oberhausen mit Schneeketten vor. Wobei, einen Vorteil hätte das: die Zeit der Besinnung bekäme im Ruhrgebiet ein unübersehbares optisches Zeichen: Schneeketten.

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Diego Daum und Franjo Airpooth 
(November 2008)

Diego Maradona wird Nationaltrainer in Argentinien. Großartig! Diese Meldung habe ich gehört in den WDR5-Hörfunknachrichten. Mal ehrlich: Was müsste ein "normaler" Argentinier alles anstellen, um es in die WDR5-Hörfunknachrichten zu schaffen? Unter einer Teilung des Meeres läuft da gar nichts! Da merkt man, wie privilegiert ein Fußballstar ist, selbst dann wenn er seine beste Zeit längst hinter sich hat. Maradona hat in den letzten Jahren ja sogar fast nur durch Drogenaffären auf sich aufmerksam gemacht, und trotzdem kann er Nationaltrainer werden. "In Deutschland undenkbar", sagen viele mit Verweis auf Beinahe-Bundestrainer Daum - doch der Vergleich hinkt, denn: der Schock in Deutschland nach der berühmten Haaranalyse war nur deshalb so groß, weil niemand vorher die dunkle Wahrheit geahnt hatte. Hätte Herr Daum von Anfang an alle Vorwürfe bestätigt und nie einen Hehl daraus gemacht, so wie Maradona, dann wäre das ganze wahrscheinlich auch bei uns kein Problem gewesen. Also: Wer irgendwo ein Vorstellungsgespräch hat, sollte von Anfang an reinen Tisch machen: Ja, ich habe am Moers-Bach 1988 zwei Laternen ausgetreten! 

Übrigens, ein prominenter Düsseldorfer ist trotz Ehrlichkeit nicht an einer Strafe vorbeigekommen: Franjo Pooth, der Männe von Verona, hat unternehmerische Fehler eingestanden und wurde dennoch vor Gericht zur Zahlung von fast 2 Millionen Euro verknackt. Vorwurf: Insolvenzverschleppung, Bestechung und von mir ganz persönlich mit Blick auf die Ehefrau: akute Geschmacksverirrung. Eine skurrile Geschichte ist das allein deshalb, weil weder Klagende noch Beklagter im Düsseldorfer Gerichtssaal anwesend waren. Notgedrungen haben sich die ganzen Fernseh-Boulevard-Teams für ihre Berichterstattung gegenseitig abgefilmt, herrlich! Was mich nachdenklich gemacht hat war, mit welchen Mitteln Franjo Pooth angeblich seine Geldgeber bestochen haben soll. (Ich formuliere es bewusst vorsichtig: "Angeblich haben SOLL".) Da ist immer wieder von Flachbildfernsehern zu lesen. Wie hab ich mir das denn vorzustellen? Franjo kommt seelenruhig mit so einem Riesen TV-Gerät in die Bankfiliale und sagt: "Kann ich mal den Chef sprechen?" Ist doch logisch, dass so was auffällt. Das soll sein Namensvetter Franjo Strauß in Bayern früher viel geschickter gemacht haben. "Ja, hier ist der Ministerpräsident, ich habe gestern bei Ihnen im Büro einen schwarzen Koffer stehen lassen, den können Sie ja irgendwann mal zurückbringen. Muss aber nicht ..." Und? Heute ist der Münchner Flughafen nach ihm benannt. Wie heißt eigentlich der Flughafen Düsseldorf? Hey, da ist eine Namenspatenschaft noch frei! Mein Vorschlag: Franjo Airpooth.

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Krise. Desaster. Hurra! 
(Oktober 2008)

"Bayern in der Krise": Solch eine Schlagzeile wäre noch vor Kurzem unter Garantie ein Druckfehler gewesen, nach der Landtagswahl im Freistaat jedoch ist es eine politische Zustandbeschreibung. CSU verliert, SPD verliert - ein Desaster für die Volksparteien, also? Keineswegs, man muss nur Sieg und Niederlage neu definieren lernen: Die SPD gab am Montag eine Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus und ließ sich feiern - dass sie selber von ihren furchterregenden 20 Prozent noch mal auf knapp 18 Prozent gepurzelt war, blieb im Zeichen der Tragödie des Gegners eine läppische Randnotiz. Erfolg wurde hier also ausschließlich über den Misserfolg der Anderen definiert: Genial! Diese Taktik sollte sich schleunigst in der amerikanischen Bankenwelt etablieren. Man stelle sich vor, ein Anleger verliert die Hälfte seines Vermögens, sieht aber, dass der Nachbar 2/3 seines Vermögens verloren hat, und feiert dann im Kreise seiner Freunde den großen Erfolg der eigenen Geldgeschäfte. Panikhandlungen? Wirtschaftskrise? Fehlanzeige! Verlieren und Hurra schreien, so geht modernes Management. Da mach ich mit! :-) 

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Obama for Kanzler!
(September 2008)

Ich staunte nicht schlecht, als Die Zeit letzten Monat enthüllte, dass Barack Obama deutsche Vorfahren hat. Wann soll das denn gewesen sein? Ist gar nicht so lange her: 1749 zog es einen gewissen Christian Gutknecht aus dem Elsass mit seiner Frau nach Amerika. Aus Gutknecht wurde Goodknight, später Goodnight, Sohn Samuel zeugte eine Tochter, die einen Sohn, der wieder einen Sohn, der wieder einen Sohn, der wieder einen Sohn, der eine Tochter und die mit Barack Hussein Obama schließlich unseren Barack Jr. Alles klar?!

Bestimmt kommen jetzt unsere für Einbürgerung verantwortlichen Staatdiener auf dumme Gedanken, denn: nach wie vor gilt in Deutschland das Blutsprinzip, und das hat schon Leute wie Fußballspieler Paulo Rink oder Basketballhüne Chris Kamen über Nacht zu waschechten Deutschen werden lassen, ohne dass die auch nur ein "Hallo Mutti" fehlerfrei über die Lippen brachten. Egal, macht Obama zum Deutschen! Dann wird am Ende vielleicht in Erfüllung gehen, was ein putziger Schüler sich neulich in einem BR-Interview wünschte. Zitat: "Ich möchte, dass Obama Kanzler wird."

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Kraftprotz & Co.
(August 2008)

Auf dem Weg zur Autowerkstatt lief ich an einer mir bis dahin niemals aufgefallenen Bäckerei vorbei. Ich war in Eile, und dennoch veranlasste mich schon ein flüchtiger Blick durch die Scheibe mein Schritttempo gehörig zu verlangsamen. Kurz vor Ladenschluss war es. Brauchte ich denn zu Hause noch Brot? Wenn ja, dann ist das hier die letzte Gelegenheit, also nichts wie rein ins Körnerparadies. "Guten Tag." - "Guten Tag." Pause. Aus dem Sortiment glotzt mich ein tiefschwarzer Klumpen an, Name: Kraftprotz. "Was ist denn in dem Kraftprotz drin?", erbitte ich Auskunft. Die Verkäufern sieht aus wie Britney Spears, spricht aber wie Kaya Yanar:  "Weiß isch nisch", zischt es aus ihrem Zungenpiercing. Ein deutsches Mädchen mit türkischem Klischee-Akzent, herrlich. Ich frage weiter. "Und in dem Weltmeisterbrot?" Pause. "Weiß isch auch nisch." Zur Erklärung: Von meinen Stammbäckereien in Duissern bin ich bei derlei Fragen eine ausführliche Brotinhaltsangabe gewohnt, nicht selten nebst detailreicher Herkunftsbeschreibung. "Ja, wissen Sie denn hier überhaupt irgendwas?" Pause. "Tut mir leid", sagt die ungewöhnliche Bäckersfrau, "mit Brot kenn isch misch nisch aus." Eine wahre Geschichte.

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Friedhof der Flattermänner 
(Juli 2008)

Vor zwei Jahren fing es an: Autofähnchen in allen Nationenfarben säumten die Wühltische des Einzelhandels und fanden ihren Weg an unsere Autoscheiben, wo sie tapfer den Visitenkartenangriffen der Import-/Exportmafia trotzten, Straßen bunter werden ließen um letztlich in Feuilletons zum Diskussionsgegenstand gebauchpinselter Zwischenrufer zu werden. Anfangs hatte ihr Preis zwischen 8 und 12 Euro gelegen, jetzt vor der EURO 2008 (früher hieß das mal EM) fiel ihr Kurs ins Bodenlose: ein Set Türkei + Deutschland etwa vermochte der Duisburger Knüllermarkt für gerade mal 89 Cent anzubieten. Folge: mit dem Preis sank die Qualität, hohe Geschwindigkeiten - und als solche musste bereits alles über 30 km/h gelten - waren die Feinde der Flaggen. "Egal", sagten viele Autofahrer, bogen selbstbewusst auf die Autobahn, und schon sagte ihre Errungenschaft im Rückspiegel Adieu. Der Wind brachte sie auf den Seitenstreifen, und da lagen sie dann: Halbmonde, Sterne, Karos, Kreuze, Drei- und Zweifarbkombinationen. Noch heute sehe ich einsame Plastikgriffe an Beifahrertüren klemmen, weil ihre Besitzer schlicht noch nicht bemerkt haben, dass ihr nationales Bekenntnis längst seine letzte Ruhe fand auf dem Friedhof der Flattermänner. Schon paradox: was ultralinke Studentengruppen 40 Jahre lang nicht geschafft haben, schafft nun eine eigenartige Liaison aus Patriotismus und Billig-Wahn: schwarz-rot-gold liegt im Dreck. Kein schöner Anblick, doch für mich ein Lehre: Billig kann traurig machen.

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Welf?! 
(Mai 2008, II)

Zufällig verschlug es mich letzten Freitag in den noblen Golf- und Hockeyclub Etuf in Essen.
Zufällig trat ich nach meinem Besuch den Heimweg statt auf der schnellen Autobahn durch die
ampeldurchsetzten Stadtstraßen an, was jedoch zu meinem Gemüt passt, schließlich bin ich
bekennender "Cruiser". Ich verspürte Durst. Auf was Besonderes. So was wie Ice-Tea Pfirsich-
Mango light. Drum hielt ich dann an einer blauen Tankstelle auf der Alfredstraße. Zufällig.
Entschlossen enterte ich den Tankshop - und wen erspähten meine überraschten Augen am
Hochtisch? Fernsehstar, Top-Anwalt und Sex-Symbol Welf Häger! "Welf?! Was machst du denn
hier?" - "Du, du dudu duuuh, das gibt's jaaa gaaa nich, hömma, dooh!" Manchmal kreuzen sich
Wege, ohne dass irgendjemand es vorausplanen kann.
Welf und ich, langjährige Kollegen seit
seligen Uli-Grothoff-Zeiten (Vorsicht: Insidergag!) waren zu Tränen gerührt, fielen uns in die 
Arme, und ich zückte in bester Bild-Lesereporter-Manier mein Handy für ein Paparazzo-Foto.
Natürlich nur zum Hausgebrauch. Klick! 

Welf war zu früh dran bei seinem Salsa-Kurs in Rüttenscheid und nutze die Tanke als Wartesaal, ein irrer Zufall also hatte uns diesen Moment geschenkt. Viel Hochgeistiges tauschten wir nicht aus, aber es war einfach schön. Also, falls ihr vor der Wahl steht: Pfrisch-Mango kaufen oder nach Hause fahren, immer kaufen! Sonst verpasst ihr vielleicht was. Zufällig. 

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NACHWUCHSpreis 
(Mai 2008)

Beim "Schwarzen Schaf vom Niederrhein", dem inzwischen drittgrößten deutschen Kabarettpreis, habe ich den zweiten Platz erreicht. Ich freue mich sehr über einen gelungen Auftritt, über Pokal und Preisgeld, und als fairer Sportsmann gratuliere ich dem 55-jährigen Lothar Bölck herzlich zum Gewinn dieses NACHWUCHSpreises. ;-) Im Ernst: Lothar ist ein netter Kerl mit großartiger Bühnenpräsenz, den ich für seine Professionalität ungemein schätze, und wenn ihn die Auswahljury trotz 30jähriger Bühnenerfahrung zu einem solchen Wettbewerb zulässt, dann muss er halt auch gewinnen dürfen. Da will ich als jüngster Finalteilnehmer mal ganz weise sein. Gutes Stichwort, liebe WAZ-Redaktion: Ich bin 36, nicht 42! Zum Glück bin ich nicht eitel. ;-) Besonders freut mich, dass ich mit klarem Vorsprung (und hauchdünnem Rückstand) auf Platz zwei der Publikumswahl gelandet bin - und das, obwohl ich auf das Mobilisieren einer lautstarken Anhängerschaft verzichtet habe. Klingt alles nicht unbedingt nach riesiger Freude, oder? Doch, doch, ich freue mich! Auch auf einen äußerst reizvollen Monat Mai.

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"Ich bin auch nicht von hier." 
(April 2008)

Letztes Wochenende machte ich Station im Nordosten, erst im schnieken Schwerin, danach im ruhigen Rövershagen, das liegt ein paar Kilometer östlich von Rostock. Hier in Mecklenburg sind die Menschen so herrlich entspannt, davon kann man als gestresster Großstädter nur träumen. Als Bahnhof verkleidet begrüßte mich ein kleines Knusperhäuschen, das sogar Jim Knopf an seine Heimat erinnert hätte. Geschäfte? Kofferkuli? Service Point? Gibt's hier alles nicht. Automat für die Rückfahrkarte? Gibt's auch nicht. Wann fährt denn überhaupt ein Zug zurück? "Entschuldigung, ist das hier der Fahrplan?" - "Jou, das isser", sagt mir der Bahnmitarbeiter im Knusperhäuschen, "aber den dürfen sie nicht so genau nehmen." Gut, denke ich, dann nehme ich mir erst mal ein Taxi zu meiner Pension. Problem: Einen Taxistand gibt es natürlich auch nicht. "Sagen Sie mal, wie komme ich denn an ein Taxi?" - "Tja, hier am Bahnhof is schlecht." - "Fahren Busse?" - "Nicht am Wochenende." - Und nu?" - "Weiß nich, ich bin auch nicht von hier." 

Fazit: In Rövershagen muss Hektik einfach draußen bleiben. Großartig! Am Ende kramte der nette, auswärtige Bahnmann eine alte Visitenkarte hervor, und schwupps war doch noch ein Taxi da. Taxameter? Natürlich nicht. Unsere Fahrt führte über Felder, Wiesen und Vorgärten. "Den Weg hier können Sie morgen auch ganz bequem zurücklaufen, sind ja nur sechs Kilometer. Aber Vorsicht vor den Wildschweinen!" An meiner Gaststätte begrüßten sich Wirt und Fahrer freundlich per Handschlag. "Moin Erwin." - "Moin Lutz. Komm rein, kriegste 'n Kaffee." Und so saßen der Wirt, der Taximann und der Komiker gemeinsam an der Theke und schwadronierten. So viel Zeit muss sein. 

Übrigens: Schon am Tag zuvor in Schwerin hatte ich ein paar nette Leute kennen gelernt, und natürlich komme ich gerne zurück in den Nordosten. 

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Hereinspaziert ins Sambaland
(02.12.2006)

Als ich letzten Dienstag im ICE nach Frankfurt saß, nutzte ich einen netten Service der Deutschen Bahn: zwischen den Sitzen befinden sich Kopfhörereingänge, und über mehrere Kanäle gibt es Musik zu hören. Kostenlos! (Bei 2,70 Euro für einen Instant-Kaffee ist das durchaus erwähnenswert.) Die Reiseplanbroschüre informiert über das jeweilige Programm. Kanal 1: Anna Netrebko. Och nö, auf diese Fiedeltussi hab ich grad keine Lust. Kanal 2: Silbermond. Die gehen gar nicht. Reim-Dich-Oder-Ich-Fress-Dich bis der Arzt kommt? ("Tag" auf "nach", "Regen" auf "geben" usw.) Nein, danke! Kanal 3: Detlev Jöcker - Alle Kinder dieser Erde. Wer und was ist das denn? Der Text gibt Aufschluss: "Ein Benefizalbum, das dem Nachwuchs die Bedeutung von Toleranz und einem friedvollen Miteinander vermittelt." Aha, dann ist der Kerl also eine Art Rolf Zuckowski für 68er. Na, bevor ich hier Silbermond hören muss… Und so gab sich das 34-jährige Kind Ludger K. die komplette Kinderdröhnung. "Reich den Schwachen deine Hände", "Hereinspaziert ins Sambaland", "Wir wollen Frieden auf der Erde." Mit guten Argumenten machten die Lieder schnell klar, dass wir alle gleich sind, uns alle lieb haben sollen, und die Kleinen unser aller Hoffnung sind. Ungelogen, ich war gerührt, von Kinderliebe überwältigt, vom Toleranzvirus infiziert. Wie ein debiler Auftragsgrinser schritt ich danach durch das Frankfurter Bahnhofsgelände, machte Halt an einer Pflanze und gönnte mir einen Moment der Besinnung. Plötzlich kommt so ein verzogener Dreikäsehoch daher und tritt mit voller Wucht gegen meine Laptoptasche. "Hey, du Rotzlöffel, kannse nicht aufpassen?!" Schön, wenn bei schlimmen Infekten das Gegengift nicht lange auf sich warten lässt. ;-)

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Black Dahlia 
(01.11.2006)

Manchmal gibt es Filme, auf die man sich so sehr freut, dass man den Start kaum erwarten kann. Als ich sah, dass ausgerechnet Brian de Palma, von vielen zurecht als “Kleiner  Hitchcock“ gefeiert, eine Geschichte des LA-Confidential-Autors verfilmt hatte, die noch dazu in den herrlich bebilderbaren 50er Jahren angesetzt ist, witterte ich sogleich eine genussreiche Liaison cineastischer Superlativen. Nach dem Film fühlte ich mich dann wie jemand, der einen Ferrari bestellt hat und ein verrostetes Bonanzarad geliefert bekommt. Mein Gott, was für ein Langeweiler! Dagegen sind die historischen Parlamentsdebatten im Ereigniskanal Phoenix der reinste Psychothriller. Gestern fragte mich plötzlich Kumpel Heisti, selbst ein ausgewiesener Filmexperte: „Hast du Black Dahlia gesehen?“ Ich erschrak. Was, wenn er völlig anderer Meinung ist? „Sach du“, sag ich. „Bin eingepennt.“ – „Ich auch.“ Gute Nacht. 

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Hung up!
(01.09.2006)

Der zurück liegende Monat hatte zahlreiche Superlative für mich in Petto - aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich selber stand zuletzt bei Essen Original vor knapp 5.000 (in Worten: fünftausend!) Menschen gemeinsam mit dem unglaublichen Heinz und Knacki Deuser auf der riesigen Showbühne am Kennedyplatz, fühlte mich dort zwischenzeitlich wie ein Rockstar und hörte das Geschehen von meiner inneren Stimme immer wieder mit einem ungefragten "Wow" kommentieren - als Zuschauer hatte ich Tage zuvor die andere Sicht genossen bei den Mega-Events von Robbie Williams und Madonna, deren Konzerte in Hockenheim und Düsseldorf ich live erleben durfte. Beim Fräuleinwunder aus New York war es mehr als ein schnöder Besuch, erfüllte sich doch ein Kindheitstraum. Doch wer sich einen Traum erfüllt, sollte stets auch das Erwachen einkalkulieren...

Als Konzertgänger stecke ich in einem Dilemma. Für den Innenraum bin ich inzwischen zu bequem, von den meisten Sitzplätzen aus aber ist die Sichtdistanz in einem Stadion wie der LTU-Arena derart groß, dass man auf die Leinwände angewiesen ist und quasi eine DVD-Übertragung sehen muss, denn die "echte" Madonna ist nicht mal schemenhaft zu erkennen. Manchmal dachte ich, auch Mutter Beimer hätte da unten rumturnen können, gemerkt hätte das ab der Preiskategorie 2 (da gabs die Tickets für "nur" 140,50 Euro) ohnehin keiner. Gespannt war ich auf die Skandalszene mit Madonna als Jesus-Double. Ich hatte mich vor allem gefragt, bei welchem Lied sie sich wohl ans Kreuz nageln lassen würde. Klare Antwort: "Hung up", oder? ;-) Doch es war dann schließlich "Live to tell", und von Skandal konnte keine Rede sein, es war eher unfreiwillig komisch. Als die Kamera ranzoomte sah das ganze auf der Leinwand fast so aus, als hinge die gute Frau Ciccone gar nicht am Kreuz, sondern (ganz ehrlich) an der Torwand des Aktuellen Sportstudios. Ich hab nur darauf gewartet, dass Dieter Kürten um die Ecke kommt und ruft: So, drei unten, drei oben!

Fazit: Entweder man erscheint bereits um 5 Uhr Uhr morgens und stellt sich im Innenraum ganz vorne an die Bühne oder man lässt es. Denn sonst sieht man nicht Madonna, sondern allenfalls 40.000 Leute beim Madonna-Kucken. Schade.

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Angriff der Akkordeon-Spieler
(18.07.2006)

Da saß ich neulich friedlich im Regionalexpress von Düsseldorf nach Dortmund, als plötzlich in Wattenscheid-Höntrop vier mit Panflöte und Akkordeon bewaffnete Osteuropäer den Zug betraten. "Wer sind die denn?!", dachte ich, "etwa eine Schlepperbande"? Nein, schlimmer, denn ehe ich mich versah schmetterten mir die Jungs ein fröhlich lautstarkes "Rosamunde" ins Gesicht, gefolgt von einem unverschämten "Du kannst nicht immer 17 sein". Dann hielt einer von ihnen grinsend die Hand auf. Herr Kusenberg, zur Kasse bitte...

Dass man im Urlaub mit gezielten Attacken irgendwelcher Panflöten-Pedros klar kommen muss, ist nix Neues. Michael Mittermeier hat solcherlei musikalische Ergüsse bereits zur Genüge kabarettistisch aufgearbeitet. Irgendwann zog es diese Musiker dann offenbar auch an die Quelle des Urlaubsgeldes in deutsche Fußgängerzonen, und nun scheint die nächste Stufe erreicht: Akkordeon-Spieler aus den neuen EU-Ländern entern deutsche Bahnen! "Sach ma, hab ich euch bestellt, oder watt?, schnauzte ein schätzungsweise drei Zentner schwerer Fahrgast und verweigerte die Zahlung. Auch ich ließ mein Portemonnaie erst mal stecken, doch das war den kriminellen Musikelementen erst richtig Ansporn. Bei 35 Grad im Schatten schoben sie im nicht-klimatisierten Großraumwagen ein fröhliches "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" hinterher. Die kennen wirklich keine Skrupel. Wieder dieses Grinsen. Herr Kusenberg, zur Kasse bitte! Muss ich das zahlen? Natürlich nicht, Schutzgeld muss man auch nicht zahlen. Schwupps war ich um einen Euro ärmer - und die Bande verschwunden. So sehen also die modernen Euro-Gangster aus. Mein persönliches Fazit: Dann lieber ganz altmodisch im U-Bahnschacht überfallen werden. 

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Tillmann
(18.05.2006)

Letzten Monat erlebte ich etwas - so finde ich jedenfalls - Unfassbares. Ein Auftritt hatte mich ins UERIGE geführt, eine Kult-Kneipe in der wunderbaren Rheinmetropole Düsseldorf, in der ich mehrere Jahre gewohnt habe und immer wieder gerne spiele. Zu Gast in der Show "Reiner Tisch" des leider viel zu selten auf deutschen Bühnen zu sehenden Kollegen Frank Küster war neben mir noch ein Kollege aus Köln namens Tillmann. Als dieser den Backstage-Raum betrat und wir einander vorgestellt wurden, hatte ich dieses komische, sicher jedem von uns bekannte Hey-dem-bin-ich-irgendwo-schon-mal-begegnet-Gefühl. Aber wo? Was oft quälende Zeit des Überlegens erfordert, vollzog sich an dieser Stelle innerhalb weniger Sekunden. Eine unsichtbare Hand riss mich schnurstracks zurück ins Jahr 1985.

Damals war ich gerade 13, körperlich und geistig auf dem Weg vom Jüngling zum Manne – freilich ohne dass meine Eltern davon etwas mitbekamen. Dass ich mich mit Mitschülerinnen nicht nur zur Nachhilfe treffen wollte? Für meine Eltern, denen selbst Konrad Adenauer schon zu flippig gewesen war, völlig undenkbar. Die Osterferien des Jahres 1985 verbachte ich ganze drei Wochen im Ski-Urlaub an der Seite meines Vaters im bayrischen Mittenwald, nahe Garmisch-Partenkirchen. Wir lebten dort in der äußerst abgelegenen Jugendherberge. (Keine Ahnung, welcher Anflug von Jugend-Komm-Zurück-Wahn meinen Vater dazu getrieben hatte, aber wir waren eben dort, und es war gar nicht mal übel.) Eines Tages stieß eine vierköpfige Gruppe junger Studenten zu uns, die sich offenbar entschlossen hatte, genau hier ein verlängertes Wochenende einzulegen. Sie waren nett und nicht uncool, und (Achtung: kritische Lebensphase) sicher hat mich deren Ungezwungenheit und Vagabundentum nicht unbeeindruckt gelassen. Wir hatten aber so gut wie nichts miteinander zu tun, kaum Gespräche, keine Spiele, Saufereien oder sonst was. Sie waren damals einfach nur da und verschwanden nicht nur rasch wieder aus der gemeinsam bewohnten Herberge, sondern auch komplett aus meinem Gedächtnis. Bis jetzt, denn dieser Tillmann, der nun im Uerige lachend vor mir stand, erinnerte mich irgendwie an einen dieser jungen Männer von damals, 1985, die ich danach nie mehr gesehen hatte. Ich musterte den Kollegen genau. Groß, glattrasiert mit grauen, kurzen Haaren, eine prägnante Erscheinung, dieser Tillmann. Er sah dem Typen aus meiner Erinnerung überhaupt nicht ähnlich. Der nämlich hatte lange, dunkle Haare und Bart. Dennoch, irgendwas erinnerte mich an ihn. Merkwürdig...

"Tillmann, es ist mir peinlich das zu fragen, aber..." - "Hey, frag ruhig." - "O.K. warst du zufällig vor 20 Jahren mal an Ostern für drei Tage in der Jugendherberge Mittenwald im Skiurlaub?" Stille. Kollege Frank Küster, der neben uns saß, staunte nicht schlecht. Wie bitte? "Äh, ne du, ich bin mal als Kind Ski gefahren, aber... wann soll das gewesen sein? Nein, 1985 garantiert nicht mehr." - "Ja, ja, es ist echt bescheuert von mir. Sorry." Ich erzählte ihm die Geschichte mit einigen Vater-Sohn-Details. Pause. Noch mal Stille. Frank Küster völlig sprachlos, Tillmann grübelt. "Moment, wann war das? Ja, als Student war ich mal übers Wochenende mit einigen Kommilitonen Ski-Fahren. Zu denen gibt es heute aber keinen Kontakt mehr, ich weiß nicht mal mehr wie die heißen. Wo genau das war hab ich auch vergessen. Ich hatte seinerzeit, glaube ich, vier Semester in Kaiserslautern studiert." - "Du warst mit einem kleinen, rundlichen Typen da und einem Freund namens Bernd. Der erzählte mir, er studiere Informatik.“ Tillmann erhebt sich: "Ich habe damals Informatik studiert." - "Hattest du lange, dunkle Haare und einen Spitzbart?“ Tillmann zückt seinen Führerschein. Spitzbart, lange Haare. Das war er. Unfassbar!

Wie oft passiert es, dass Leute auf einen zugestürmt kommen mit den Worten: " Hey, wie geht’s?", und man hat keine Ahnung, wer das sein soll. Oft verbindet uns mit solchen Menschen eine lange gemeinsame Zeit, die gar nicht lange zurück liegen muss – doch alles ist wie weggeblasen. Und dann kommt ein Tillmann daher, fürs eigene Leben völlig irrelevant gewesen, und schon macht es Klick. Genau das wird niemals ein Computerhirn simulieren können, das schaffen nur wir! Ich bin beeindruckt vom menschlichen Gehirn. Schade, dass ich diese Fähigkeit nicht schon früher im Mathematikunterricht entdeckt hatte.

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Ist ein Arzt in der Nähe?
(29.04.2006)

Ton aus, Licht an, Schrecken. "Wir müssen das Programm unterbrechen. IST EIN ARZT IN DER NÄHE?!? Ich geh' Hilfe holen." Diese drei Sätze ließ gestern Abend in Düsseldorf Tontechniker Robin los, als Kollege Christian Hirdes und ich gerade mitten im Finale waren. Au weia! Da wird doch nicht etwa ein Zuschauer während des Programms abnippeln? Hätte der nicht 10 Minuten warten können?

Im Ernst: Rudi Carrell hat mal gesagt: Solche Situationen sind es, auf die man als Komiker wartet. Na ja, ich kann das für diesen Fall nicht bestätigen, denn natürlich waren wir erst mal ziemlich fertig. Was passiert hier gerade?, dachten Christian und ich und hatten wirklich Angst. Und nun? Auf die Bühne gehen und beim Warten auf den Notarztwagen ein paar Witzchen reißen? Das hielten wir für keine gute Idee. Dennoch, ich entschloss mich zum Dialog mit dem Publikum. "He Leute, was ist hier los? Gibt es einen Zwischenstand?" Bald stellte sich heraus: im Publikum saß ein Diabetiker, und mit einer Flasche Afri-Cola aus dem Nachbarrestaurant war alles geritzt. Für mich die passende Gelegenheit, den Herrn nebst Gattin erst mal so richtig zu beleidigen. Das kam an - Glück gehabt! :-) Unser Tipp an alle Zuckerkranken: am besten immer ein Päckchen Fred-Ferkel dabei haben.

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Da kommt die Weltraumpolizei
(10.02.2006)

Immer wieder - das geht euch sicher auch so - wird man in unserer von Renaissance-Wellen durchspülten Medienwelt mit Sachen, Ereignissen oder Menschen konfrontiert, die einen als Kind oder Jungendlichen begeistert haben - und plötzlich aufgrund unerwarteter Widerholungen, irgendwelcher Jubiläen oder Retro-Shows nach Jahren der Abstinenz wieder auftauchen und unseren "neuen" strengen Augen und Ohren eines Erwachsenen stand halten müssen. Vielfach ist das mit einem Schock verbunden. Oh Gott, das fand ich früher mal toll?! Bei Otto denk ich das häufig, ebenso bei Uralt-Ausschnitten aus Nonstop Nonsens mit Didi Hallervorden. Doch auch den Effekt des Sich-Bestätigt-Fühlens gibt es, oder? Wenn man etwa von einem Film nur seine kindlich jugendliche Begeisterung im Hirn gespeichert hatte, und später merkt: "Hey, das war ja wirklich toll. ("Der Trost von Fremden" mit Christopher Walken ist ein Film, für den das in meinem Fall zu 100% gilt.) Beides gleichzeitig aber? Schock UND Bestätigung? Ja, das geht tatsächlich auch; diesen "Ober-Effekt" hatte ich vor ein paar Tagen. Da sah ich in einem Anfall von Zapp-Wahn tatsächlich zwei Folgen der Zeichentrickserie CAPTAIN FUTURE.

Als Kind dachte ich immer, CAPTAIN FUTURE sei eine ganz, ganz aufwendige Sci-Fi-Serie aus den USA. Mitnichten! Ein Zeichenspektakel billigster Güte von irgendwelchen Japanern war das. Genau so übrigens wie (Achtung!) "Ciao Marco" und (Doppelachtung!) "Heidi". Hilfe, dachte ich im ersten Moment beim Blick auf die dilettantisch gepinselten Hauptfiguren, vor allem wenn ganze Sequenzen aus simplen Standbildern zusammengefummelt wurden. Dann aber wuchs meine Begeisterung, denn die Dialoge waren einfach nur herrlich schräg, liebevoll missglückt und - zurückhaltend formuliert - unfreiwillig komisch. Hier zwei Auszüge:

Greg: "Wir sind alle verloren!" 
Otto: "Guck mal, da kommt die Weltraumpolizei." 

             oder 

Joan Lander: "Captain, sehen Sie ihn? 
Captain Future: "Nein, er ist unsichtbar." 

             oder am allerbesten

Captain Future: "Der Planet ist untergegangen." 
Professor Simon: "...und mit ihm der sprechende Kaktus."

Was für ein herrlicher Murks, was für ein kultiger Käse, ich hatte Spaß für zehn. Mal sehen, ob die Wiederholung von "Mark vom Ork" da mithalten kann. ;-)

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Sie haben ihr Ziel erreicht
(26.10.2005)

Seit einigen Monaten begleitet mich bei meinen Autofahrten durch die Republik ein famoser Pocket-PC mit integriertem Navigationssystem. (Mit knapp 300 Euro hat dieses Teil ungefähr den gleichen Wert wie mein Auto selber.) Dass die Stimme im Inneren nicht unbedingt Schleich- sondern eher Mainstreamwege bevorzugt, mag kaum überraschen. Auch, dass die Anweisungen der Dame einer eigenen Realitätsvorstellung unterliegen, ist irgendwo verständlich, typisch Frau eben, man muss das ganze einfach übersetzen lernen. "Jetzt links fahren" zum Beispiel heißt in Wahrheit "Sie hätten gerade links gemusst", denn die da im Navi mit dem 0190-Timbre agiert mitunter etwas schwerfällig. Was mich aber richtig nervt ist, welch hanebüchenen Strecken von A nach B mir immer wieder als Idealroute untergejubelt werden. Neulich etwa spielte ich in Dortmund, und Madame Albrecht lotste mich über zig Autobahnkreuze, durch etliche Stadtteile, wenden hier, drehen da usw, bevor sie mich irgendwann das Ziel erreichen ließ. Ob das wirklich so richtig war?, fragte ich sie und mich. Oder habe ich versehentlich den "Sightseeing-Modus" gewählt? Als ich einem Kollegen vor Ort von meiner Fahrtstrecke erzählte, schlug der sich erst mal brüllend auf die Schenkel. "Uuaaah!!" Mein messerscharfer Schluss: hier hätte es vielleicht auch einen besseren Weg gegeben...

Fazit: so 'n Navi ist insgesamt schon nützlich, aber man sollte vorher auf dem Atlas genau nachsehen, wo es wirklich langgeht. Zusätzlich sollte man sich vorher eine detaillierte Wegbeschreibung zufaxen lassen und diese anhand eines zuvor gekauften Stadtplans genau überprüfen. Sicher ist sicher! ;-) 

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Disco Fiasko
(10.10.2005)

Als Jüngling (sagen wir mal bis 28) ging ich gerne ins MUDIA ART. Für alle Auswärtigen: das ist eine ziemlich extravagante Nobel-Disse in Essen. Heizdecken-Playboy Rolf Eden mit seinen Klunker-Palästen in Berlin ist ein Dreck dagegen! Prunkvolles Ambiente, schöne Frauen, hippe Mucke, ich habe viele Besuche dort sehr genossen. Als ich dann aber langsam zum Manne wurde (also 30), zog es mich nur noch selten in den Laden, es gefiel mir einfach immer weniger dort. (Da ich rechtlich kein Risiko eingehen möchte, halte ich mich mit schärferen Formulierungen bezüglich der erst mit einer gewissen Reife wahrnehmbaren Oberflächlichkeit mancher Besucher bewusst zurück.) Umso neugieriger wurde ich, als plötzlich folgender Auftrag bei mir hereinschneite: Geschlossene Veranstaltung im MUDIA ART - du moderierst! 

Wer das MUDIA kennt, der weiß, dass Akustik und Weitläufigkeit der Räume nicht gerade förderlich sind für das Gelingen von Wortbeiträgen, drum war mein Auftritt insgesamt ein ziemliches Disco Fiasko, mit dem ich aber sehr gut leben konnte. Neben annehmbarer Aufwandsentschädigung nämlich bekam ich vor Ort die selbe Künstlergarderobe zugewiesen wie die schätzungsweise zwei Dutzend Tanzmäuschen. Ich meine damit genau die, die ab 12 h immer nackig im Käfig hüppen und die männliche Kundschaft gehörig in Wallung versetzen. Ein Knaller, oder? Das allein war die Sache wert, natürlich nur der Atmo wegen, denn mal ehrlich: hat sich nicht fast jeder schon mal gefragt, wie diese Mädels abseits der Show so drauf sind? 

Nun, wie sie sind wenn der Vorhang fällt, weiß ich jetzt zwar immer noch nicht, wohl aber, bevor der Vorhang sich öffnet, und ich werde hoffentlich nicht als Denunziant gelten, wenn ich verrate: manch vermeintliche Traumfrau aus dem gusseisernen Hängeknast würde einem auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn echt nicht auffallen. (Da ich rechtlich auch hier kein Risiko eingehen möchte, halte ich mich abermals mit schärferen Formulierungen zurück.) 

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"Ich brauch' mein Fahrrad zurück!"
(10.08.2005)

Der Anruf von Kumpel Benni Eisenberg riss mich ein wenig aus der Fassung. Hintergrund: zu den World Games schien es mir sinnvoll, die entsprechenden Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen, statt für den Parkplatz an der Wedau regelmäßig 5 (in Worten: fünf!) Euro Parkgebühren zu berappen. Mein Rad aber war nach sieben Jahren Keller derart lädiert, dass ich den Freund und Kollegen aus Bottrop um das seinige anschnorren musste. Und auch dieses Kultgefährt hätte gewiss die nächsten sieben Jahre bei mir im Keller verbracht - wenn es nicht besagten Anruf von Herrn Eisenberg gegeben hätte: "Ich brauch' mein Fahrrad zurück!" 

Beim Hintransport von Bottrop nach Duisburg hatte ich das Teil noch problemlos im BOND (so heißt mein Auto) befördern können. Nun aber passt es irgendwie nicht mehr. Vielleicht ist es ja gewachsen, vielleicht aber liegt es auch am plötzlichen Platzregen, der pünktlich zu meinen Reinpackbemühungen über Duisburg hereinbricht. Die Nachbarn schauen interessiert zu, einer nach dem andern hängt sich vergnügt ans Fenster. "Auto oder Fahrrad - beides geht nicht! ruft einer, "Is doof ne?" der andere, während das kühle Nass unaufhaltsam aus den Wolken bricht. Pitschnass in 30 Sekunden, und das mit 33 Jahren. Ich fühle mich wie Mark Warnecke - nur eben mit Fahrrad. 

Was nun? Da kommt der rettende Einfall. Ich transportiere das Rad am besten mit dem Zug nach Bottrop. Gedacht - gemacht, und schon entwickelt sich bei mir dieser typische neue Blick, wenn man plötzlich Dinge wahrnimmt, die schon immer neben einem stattgefunden hatten, das bewusste Denkzentrum aber nie hatten ereichen können. Kuck an, da schnallen Leute ihren Drahtesel wie ein Kleinkind an den Sitzen fest, da tragen unzählige Menschen am Bahnhof ihr treues Renngefährt liebevoll von A nach B, und ich mittendrin. Die zugfahrenden Radfahrer sind offenbar eine echte Glaubensgemeinschaft. Unaufgefordert wird mir geholfen, man kommt ins Gespräch, fachsimpelt über Sport und teure Bahnhofskaffeebuden, wo sonst nur ein gelangweilter Blick in den vom Nebenmann bewusst vergessenen Wochenanzeiger zum Zeitvertreib in der 2. Klasse blieb. Ich glaube, demnächst werde ich nur noch Zug fahren mit Fahrrad - nur so zum Spaß. ;-)

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July und der gefallene Traum
(21.07.2005)

Einst hatte ich sie in einem Porträt der Kulturzeit auf 3Sat gesehen. Mit tiefgründigen Augen blickte sie von fern in meine kleine Welt, ihre Anmut wirkte wie die stille Musik eines Blumenmeeres. Ich beschloss daraufhin, mich einfach mal spontan in sie zu verlieben. Ihr Name: July Delpy, eine französische Aktrice, die durch den Film "Before Sunrise" zu Weltruhm gekommen war und irgendwann auch als Sängerin Noten und Worte durch die Welt zu tragen gedachte. Doch ein solcher Mensch geht natürlich nicht auf große Gesangstourneen, sondern macht sich rar. Ein Besuch in NRW? Unmöglich. Umso überraschter war ich, als ich July dann in einem Prospekt des Kulturprogramms meiner Stadt Duisburg entdeckte. Wieder dieser Blick, voller Zauber und Grazie. Die Tage vor ihrem Auftritt wurden lang, doch dann war es so weit. July, bienvenu! 

So, liebe Freunde der Verse, hier endet leider der Wohlklang in meinen Worten, denn das Konzert der feinen Dame war bedauerlicherweise ein ganz großer Kack. Da kommt der vermeintliche Weltstar auf die Bühne und zieht eine Leichenbittermiene auf, als ginge es um einen Look-Alike-Wettbewerb für Murnaus Nosferatu. Genauso abgründig waren auch die Klamotten. Eine stilferner Fauxpas aus dem Altkleidersack - um es wohlwollend auszudrücken. Natürlich werden hier sicher einige von weltlicher Natürlichkeit und visuellem Purismus faseln, ne is klar. Weiter geht´s: ohne ein einziges "Allo"  oder Güten Aböönd" haut die Franz-Frau ihr simples Liedgut in den Duisburger Regen, liest die Texte zumeist vom Spickzettel ab (!) und weiß auch mit der eigenen Setliste nicht so genau Bescheid. "What comes next? Ooh, the guitar." Wenn so was ein mal passiert, mag das charmant sein, bei fast jedem Titel aber ist es wohl eher schamlos. Selten war ich aus einem Traum so bitter erwacht, und schnell wurde mir klar: einer Steffi Graf wäre so was nie passiert. Die hat auch bei Erstrundenmatches im Niemandsland immer alles gegeben. Bitte Gräfin, greif zur Gitarre! ;-)

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Barfuß oder Lackschuh
(19.04.2005)

Der April hat eine derartig sakrale Kraft, dass alles, aber auch wirklich alles durch die Ereignisse im Vatikan verschlungen wird. Für mich etwa blieb kaum Zeit, meinen Geburtstag angemessen zu würdigen, und auch ein bedeutender Sterbefall ging in der öffentlichen Wahrnehmung unangemessen unter. Harald Juhnke ist von uns gegangen, und ich erlaube mir, auch in diesen Tagen des "habemus papam" das Ableben des letzten deutschen Entertainers zu bedauern. Viele sagen, Papst JPII sei nicht zu ersetzen. Für Juhnke gilt das aus meiner Sicht ebenso. Harald, du warst einer der Größten, und falls hier jemand Satire vermutet: ich meine das todernst. Kollege Jörn Häger und ich sinnierten gestern gemeinsam auf der Bühne, wie denn die Verfilmung des juhnkeschen Lebens (die es ja wohl unweigerlich irgendwann geben wird) wohl heißen mag. Schnell fiel uns eine Antwort ein: Barfuß oder Lackschuh. Freitag und Samstag in der ARD. Wir sind gespannt...

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Ab in die Zelle!
(08.04.2005)

Gestern war ich unterwegs und hatte mal wieder mein Handy zu Hause liegen lassen. Um ehrlich zu sein: manchmal (nicht in diesem Fall!) vergesse ich das Ding mit Absicht, um eben NICHT ständig erreichbar zu sein. Ein wahres Glücksgefühl. Was aber, wenn man plötzlich selber jemanden dringend erreichen muss? Moment mal, gab es da früher nicht mal irgendwas? So was gelbes, später in pink? Richtig, Telefonzellen heißen die. Nur: wo steht so ein Ding heute noch? Sofort mache mich auf die Suche...

Hey, da vorne ist eine! Nur gut, dass ich vor kurzem noch eine Telefonkarte gekauft habe. Tür geöffnet - und was sehe ich? Einen Münzapparat! Verdammte Hacke, da holt man sich für den Fall der Fälle, der eigentlich eh nie eintritt, eine Telefonkarte, die man ständig bei sich führt, und dann das. Betrug, Skandal!!! Lediglich 20 Cent brachte meine Geldbörse her, dann machte der digitale Countdown meinem Gespräch ein abruptes Ende. Fazit: es gibt Situationen, da ist Geld eben nicht zu ersetzen. Eine weitere Zelle fand ich übrigens leider nicht.

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Was geschah am Karfreitag?
(29.03.2005)

"Äh, da wurde Jesus geboren." So der O-Ton eines leicht verwirrten Passanten im Rahmen
einer ZDF-Straßenumfrage zu Ostern. Es ging noch weiter: "Und am Ostermontag, was
geschah da?" - "Da auch." - "Aha. Und wer wurde am Heiligen Abend geboren?" (Kurze Pause)
"Ich glaub, der Weihnachtsmann." 

Nun gut, eine Gesellschaft, die sich nicht mehr dem Jahrhunderte währenden Diktat der Kirche unterwirft, sondern der gesellschaftlichen und damit auch religiösen Freiheit frönt, bis hin zum Mut zu Nihilismus, zeugt von einer gewissen Aufgeklärtheit. Was aber, wenn Aufgeklärtheit in Dummheit mündet? Ist das am Ende nicht sogar zwangsläufig der Fall, zusammengefasst in der Formel: Abschied von Werten = Abschied von Wissen? Wenn ja, wohin wird uns das bringen? Vielleicht werden unsere Kinder in 10, 20 Jahren sagen: "Sido? Ne, den höre ich nicht, is mir zu intellektuell." Amen. 

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Offene Briefe - geschlossene Gesellschaft
(14.03.2005)

Aha: Merkel und Stoiber schicken unserem Kanzler einen "offenen Brief". Über die Bildzeitung. Wenn ich Gerhard Schröder gewesen wäre, ich hätte offen geantwortet - mit einem Brief in "11 Freunde". Oder im "Kicker". Oder in der "Apothekerrundschau". Am besten versteckt ohne Ankündigung. Der ganze Briefwechsel hätte sich auf diese Weise doch herrlich entwickeln lassen zu einer Art Suchspiel: Wo stecken die Politiker? Schon wäre der dahinsiechende Zeitschriftenmarkt neu belebt worden. Gute Idee?

Auf die Reformergebnisse des anstehenden Treffens in geschlossener Gesellschaft bin ich gar nicht mal gespannt. Vielmehr freue ich mich auf die Verklausulierungen, mit denen das Nichtvorhandensein von Ergebnissen unter die Leute gebracht werden wird. Warten wir's ab...

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Die Schnittkaputtmacher
(02.03.2005)

Neulich verriet mir ein Kollege seinen Argwohn über die Schnittkaputtmacher. Was er damit meint? Ganz einfach: er hatte während einer Dienstreise spontan via Internet einen Flug nach Paris für den vermeintlichen Traumpreis von 1 Euro erworben, sich jedoch maßlos darüber geärgert, dass (Achtung!) der Internet-Schuppen, von dem aus er die Bestellung losschickte, ihn glatt das Doppelte an Gebühren gekostet hatte. Zudem habe er sich beim Surfen vor Ort eine Cola für 2,50 Euro gegönnt, und das alles habe ihm letztlich den ganzen Schnitt versaut. "Jetzt fliege ich nur noch mit halbem Vergnügen nach Paris", meinte er. Geiz? Nein, er hat völlig recht!

So günstig die Spartarife von Germanwings oder der Deutschen Bahn sein mögen, vergessen wir nicht die üblen Schnittkaputtmacher, denn die haben es wirklich in sich: ein Brötchen am Bahnhof kostet nicht selten 3 bis 5 Euro, eine Zeitschrift für Fahrt oder Flug ebenfalls. Für eine Tasse Kaffee im ICE muss man heute unfassbare 2,60 Euro hinlegen, und über die sogenannte Feinschmecker-Curry-Pfanne im Bord-Bistro reden wir besser erst gar nicht. Dann noch eine Fahrt mit dem Taxi vom Bhf zum Treffpunkt und von dort aus mit dem Handy die Oma anrufen - schon ist die Geldbörse leer und der Spartarif nur noch Makulatur. Drum rate ich: wer einen Billigflug oder sonstigen Spartarif erwirbt, muss Disziplin bewahren. Kein Brötchen, keine Bild, ja nicht einmal Wasserlassen ist erlaubt, kostet schließlich auch 50 Cent. Wenn es sich aber um einen Normalpreis handelt, ist Spontankonsum in Ordnung, denn: dann machen die paar Euro mehr oder weniger auch nix mehr aus. Blödsinn? Nein, die Kunst des relativen Denkens...

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Adel verpflichtet
(14.02.2005)

Nun werden sie also tatsächlich heiraten: Prinz Charles und seine Dauergeliebte Camilla. Seit 30 Jahren sind sie ein Paar, fast ein Paradebeispiel lebenslanger Monogamie - wenn da nicht 1981 die Zwangsehe von Charles mit "Kerze im Wind" Diana gewesen wäre. Immer noch, so jedenfalls vermitteln es zahlreiche verbriefte O-Töne aus dem vereinten Königreich, haben es die Briten ihrem offiziellen Thronfolger nicht verziehen, dass er die junge Di offenkundig betrogen hat. Pfui! Während hierzulande der Kanzler wegen ganz anderer Dinge mit Eiern beschmissen wird, gießen die Briten unentwegt und immerzu Asche auf das Haupt ihres Prinzen. Wegen eines einzigen liebeslüsternen Fehltritts. Das muss man sich mal vorstellen...

Noch mal: der arme Charles hat (das darf man angesichts der Dauerbeobachtung seitens der Yellow Press mit Fug und Recht annehmen) in seinem immerhin stolze 56 Lenzen andauernden Leben gerade mal zwei Frauen in der Königskiste gehabt. Selbst für notorische Turnbeutelvergesser ein echter Witzwert! Und trotzdem gilt ausgerechnet er als Schürzenjäger und perfider Fremdgänger. Dabei erlauben sich weltweit und seit je her Männer in aller Öffentlichkeit z.T. die übelsten Fehltritte, von Julio bis Blanco, von Dean bis Töpperwien, von Tiger Tom bis Kaiser Franz - und die Menschheit applaudiert sogar noch. Nur Prinz Kalle von der Themse verzeihen wir sein Auswärtsspiel nicht. Adel verpflichtet nun mal. Ganz ehrlich: der Kerl tut mir richtig leid! 

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Bye, bye SEX & THE CITY
(15.12.2004)

Nun flimmerte sie also am gestrigen Abend über den Schirm: die allerletzte Folge von SATC,  und sicher war nicht nur mir dabei ein wenig melancholisch zumute. Dass einem im hohen Alter noch mal derlei Identifikationsfiguren vom TV geschenkt werden, die man wie Freunde in sein Leben lässt und voller Trauer verabschieden muss, das ist schon ungewöhnlich. "Eine Amerikanerin in Paris" hat dann erneut bewiesen: SATC war ohne Zweifel eine unvergleichbar intelligente Serie, mit unaufdringlicher Philosophie und bis zur letzten Schwuchtel hervorragend besetzt und ausdifferenziert. Ein billiges Happy-End wie in der Screwball-Ära? Nicht bei Carrie und Co., und das zu sehen war einfach nur schön. 

Alles andere als schön war jedoch das peinliche Drumherum von Pro7. Eine Talkrunde mit Nullstellen a la Birte Karalus und Verona Feldpoth, die durch ihre bloße Anwesenheit für eine Überdosis deutschpromidesker Gewöhnlichkeit sorgten und das Prinzip der Serie von Einzigartigkeit und Innovation schnell ad absurdum führten. Inhaltloses Scheißgeschwätz und mit Chris Noth und Thomas Helmer ein Duell der Gesichtsfotzen. Das alles hätte man sich wirklich schenken müssen. 

Dennoch: es bleibt die Erinnerung an viele amüsante Dienstage und einen nachdenklichen Ausklang. Ich hoffe zutiefst, dass dieser Eindruck nicht durch einen allzu leichtfertig abgedrehten Kinofilm getrübt werden wird. 

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www.glatzenrechner.de
(28.11.2004)

"Wann bekommen SIE ihre Glatze? www.glatzenrechner.de sagt ihnen wann!" Sicher kennt auch ihr diesen überaus provokativen Kurz-Werbespot. Nicht unklug ist er, wie ich finde, denn: der Mann ab 30 leidet fast im Kollektiv an der sog. Glatzenparanoia. In Maßen auch ich, obgleich mit einigermaßen vollem Haar gesegnet. Hinter diesem Projekt verbirgt sich die Firma ALPECIN, allseits bekannt für Haarprodukte, die wir alle natürlich unbedingt brauchen, obwohl es sie bis vor ein paar Jahren noch gar nicht gegeben hat. Voller Neugier klickte ich mich in die (in diesem Fall keineswegs) unendlichen Weiten des Online-Universums dieser Firma - doch was bietet uns jene Homepage? Lediglich ein Frage-und-Antwort-Spiel a la Bravo-Psycho-Test von 1982. Ihr erinnert euch? Titel: Teste dein Selbstbewusstsein! Frage 1: Du stehst an der Bar und möchtest eine Frau ansprechen. Was machst du? a) Ich gehe lässig auf sie zu und lade sie ein - b) Ich trau mich vor lauter Angst nicht mal in ihre Richtung zu blicken und mach mir tierisch in die Buchse. Na was mag da wohl am Ende rauskommen?! Ou Mann...

Besagte Glatzen-Homepage verfährt ähnlich, nur dass die Auflösung am Ende (fast) in jedem Fall lautet: die Glatze kommt, fragt sich nur wann. Bei mir stand am Schluss die Zahl 59 als Altersangabe. Na dann hab ich ja noch ein wenig Zeit... ;-)

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Shut up last Christmas!  
(15.12.2003)

Die besinnliche Weihnachtszeit 2003 wird in musikalischer Hinsicht (so jedenfalls meine Meinung) durch zwei Lieder dominiert. "Shut up", der neue Song der Black Eyed Peas (die rattenscharfe Sängerin heißt übrigens "Fergie" - rooaaaaaaaaaaarrrrrrrr!!!) und zum 100.000 Mal "Last Christmas" von Wham. Mal ehrlich: Wie oft müssen wir jenes Machwerk noch ertragen?!? Ich kann diesen jährlichen Schnee-Scheißdreck mit Go-Go-George und Randy-Andy einfach nicht mehr hören!!! Am besten, man würde besagte Titel einfach zusammenlegen. "Shut up last Christmas". Jawoll! 

Lieber George Michael, falls du zufällig auf dieser Seite landest und zufällig einen Übersetzer neben dir sitzen hast: Du hast mittlerweile von der GEMA echt genug abgesahnt. Lass dieses Lied einfach sperren, ja? Damit die Kinder wieder Hoffnung haben. Amen!

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"Hi Schnuckel, was machst du so?"
(07.11.2003)

Genau jene Frage las ich gestern in einer E-Mail an mich in der Betreffzeile. Absender: (Angeblich) Vera Deckers, eine Comedy-Kollegin aus Köln, mit der ich nun wirklich überhaupt nichts zu tun habe. Im Text hieß es dann sinngemäß "anbei findest du einen Bildschirmschoner - mit Nacktfotos von mir. Viel Spaß!" Natürlich freute ich mich riesig und war drauf und dran, die beigefügte exe-Datei bereitwillig zu öffnen, immerhin ist Frau Deckers keine schlechte. Doch dann durchfuhr plötzlich nackte Angst meine Adern, Angst vor einer formatierten Festplatte gepaart mit der Frage: Warum sollte mir Vera Deckers sowas schicken? Und warum macht eine Frau, die ich für einigermaßen intelligent halte, pro Zeile 478 Rechtschreibfehler. Schlaues Fazit meinerseits: hier stimmt was nicht... 

Schnell zum Hörer gegriffen, Vera angerufen und knallhart mit den Fakten konfrontiert. Die fiel natürlich aus allen Wolken, und gemeinsam gelangten wir zu der Erkenntnis, dass irgendein besonders gewiefter Spammer wohl in der Lage ist, seinen Datenmüll mit fremden Absenderadressen zu versehen, die auch noch echt sind! (Der Online-Dienst heise.de hatte bereits über diese Machenschaften berichtet.) Kalkulierter Wahnsinn! Man stelle sich vor, welche Missverständnisse damit möglich sind. Ich als bekennender Paranoider könnte kotzen, beim Gedanken an die unendlichen Weiten menschlicher Abgründe, die solche Zuschriften tragen könnten. Also: Seid auf der Hut, wenn eine nette Frau auf ihre beigefügten Nacktbilder hinweist. Es könnte sich in Wahrheit auch um Roger Whittacker handeln...

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Ingo - Oschmann - schwul
(05.11.2003)

Habe neulich die Live-Suche bei google.de aktiviert, dort kann man beobachten, welche Suchbegriffe gerade eingegeben werden und wo das dann hinführt. Da hat doch tatsächlich jemand eingetippt: "Ingo Oschmann schwul". Und jetzt ratet mal, auf welcher Seite der gelandet ist?! Richtig: hier! Das Leben ist skurril, oder? ;-)

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Karamba, Karacho, ein Whiskey, hey, hey...
(30.09.2003)

Irgendwie beschäftigt mich immer noch mein Auftritt bei Nigthwash live letzte Woche. Aber nicht wegen des Waschsalons, sondern wegen der Geschehnisse danach. Nach der Show nämlich ging's in eine Kaschemme nebenan. 1 Kölsch, 2 Kölsch, 13 Kölsch... Gib ihm! Ist doch fast wie Wasser, oder? Am nächsten Morgen war ich so platt, dass ich mir Spalt und Aspirin aufs Butterbrot schmieren musste, um wieder einigermaßen klar denken zu können. "Mensch, ihr müsst ja gefeiert haben", hieß es zu Hause und stolz erzählte ich davon, dass wir so richtig gesoffen hätten - Karamba, Karacho, ein Whiskey, hey, hey... Ja von wegen!

Komisch, komisch. Dass man ab 30 irgendwie abbaut, kannte ich bislang nur aus Wissenschaftssendungen im ZDF. (Diese Lückenfüller, wenn im DSF gerade Werbung läuft.) Jetzt ist es mir auch praktisch klar geworden. Doch damit bin ich zum Glück nicht allein. Wenn ich daran denke, dass Bigo, Kostja und ich bereits bei Lulus Junggesellenabschied im letzten Jahr irgendwann drauf und dran waren, unsere Becks-Pullen heimlich in die Blumenpötte zu kippen... Oder haben wir das tatsächlich gemacht?!? Egal, lasst uns trotzig sein, denn wie heißt es so schön in Düsseldorf: Kein Alkohol ist auch keine Lösung! ;-) 

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Schimanski-Double (12.08.2003)

"Guten Tag, mein Name ist piep von der piep-GmbH aus piep. Wir suchen ein Double für den neuen Schimanski." Hä? Natürlich dachte ich erst, der gute Ingo Oschmann will mich mal wieder am Telefon verarschen, aber weit gefehlt. An der Strippe war eine Agentur aus Köln, der ich vor Jahren Fotos geschickt hatte, um vielleicht mal als Komparse beim Film eingesetzt zu werden. Nun meldeten sie sich - aus einer Notsituation heraus suchten sie jemanden, der als Horst Schimanski für den diesjährigen Teil der Serie (Ausstrahlung: sicher wieder im Dezember) mit der unvermeidlichen Jacke in einem alten Citroen durch Duisburg fährt. Natürlich begleitet von chicen Kameras. Offenbar hat Götz George keine Zeit mehr, persönlich nach Duisburg zu kommen. Ihre Kartei führte diese Menschen zu mir - echt abgefahren, oder?

Also: gedreht werden soll nächste Woche. Ja, ich bekomme einen Schnäuzer angeklebt - Nein, mein Name erscheint nicht im Abspann. Obwohl: "Als Horst Schimanski sahen Sie Ludger K./Götz George", das täte mir schon gefallen... :-)) 

Fazit: Das Leben hält immer wieder Überraschungen parat. Manchmal böse, manchmal aber auch erfüllte Kindheitsträume. Auch wenn das ganze natürlich nur eine Riesengaudi werden wird, nicht mehr. Achtet im Dezember einfach mal ganz genau auf das Innenleben der Schimmi-Kutsche. Vielleicht winke ich euch ja kurz zu. Man muss nur daran glauben... ;-)

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Abi 2003 - Erlebnisse auf einem Bottroper Abiball...
(01.07.2003)

"Wir hatten uns eigentlich etwas ganz, ganz anderes vorgestellt!" Diesen Satz durfte ich mir von einer entrüsteten 19-jährigen anhören, nachdem sich am Sonntag bei der von mir moderierten Abifeier eines Bottroper Gymnasiums zahlreiche Lehrer über meine (Zitat) "frauenfeindliche, selbstverliebte und autoritätsferne Art" beschwert hatten. Wie bitte?!? Ich gebe zwar zu: Brav waren meine Moderationen z.T.  nicht, aber dass die Lehrer noch genauso spießig und jovial drauf sind wie früher, hat mich dann doch überrascht. Mein Satz "...die meisten Mathelehrer verstehen Algebra selber nicht, und der Religionslehrer ist immer ein bisschen schwul..." brachte zwei Kollegiumsmitglieder dazu, beleidigt den Saal zu verlassen. Ganz ehrlich: Ist das wirklich angemessen?!? 

However: Jetzt bin ich seit 10 Jahren aus der Schule raus - und immer noch hassen mich die Lehrer. Das färbte an jenem Abend natürlich auch auf die Schülerinnen ab, von denen ich engagiert worden war. Als brave Vertreter der neuen Hotel-Mama-Generation nickten sie voller Demut die Klagen ab und nutzten dann die Gelegenheit, mir für ALLES Schief-Gelaufene die Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn (wie es bei solchen Abenden leider oft ist): Niemand interessierte sich so recht für die allesamt eingekauften Darbietungen (122 Abiturienten hatten selber einfach nichts drauf gehabt) und nicht nur ich, sondern auch Kollege Otto Normal alias Christian Hirdes kackte voll ab. Sogar die Tombola (u.a. gab es eine Digitalkamera zu gewinnen) ging im Stimmengewirr der 600 Gäste beinahe vollständig unter. Tenor der Mädchen: Du bist alles Schuld! Na ja, Undank ist eben der Welten Lohn... Insgesamt war der Abend also ein ziemlicher Flop. 

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Ist AC/DC eine Schwulenband? (18.06.2003)

Die Rolling Stones waren in Oberhausen! Unglaublich, wen und was die Welt heutzutage so alles zusammenbringt. Ob Mick Jagger und der total kaputte Keith Richards wirklich wussten, wo sie waren? Egal, wir wussten es: Im beschissensten Konzert-Acker der Weltgeschichte, dem sog. O.Vision-Zukunftspark nahe dem Centro. Hört sich gut an, aber: das Düsseldorfer Rheinstadion im jetzigen Zustand wäre besser gewesen. (Anmerkung: Das Stadion wurde vor Monaten abgerissen!) 

Besonders nachdenklich machte Heisti und mich die "Vorband" AC/DC. Der geisteskranke Gitarrist Angus Young legt auf der Bühne einen Strip hin, zigtausend Besoffene schreien seinen Namen, und dann gehen auch noch zwei Typen in Lederklamotten Hand in Hand an uns vorbei. Das veranlasste Heisti zu einer kühnen Frage: Ist AC/DC eine Schwulenband? Interessant, aber vielleicht hätte er diesen Gedanken besser nicht laut und vor Ort äußern sollen. Au backe... (If you want blood, you got it!)

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Eisen Nerforth ist tot! (03.05.2003)

Mit der Stadt Moers habe ich eigentlich nichts mehr zu tun. Aber: ich bin hier aufgewachsen, und das verbindet eben - für immer. Neulich schlenderte ich nach langer Pause mal wieder durch die Altstadt und stellte erschreckt fest: Moers scheint zu sterben! Aus Horten wurde ein Billig-Paradies, und Gert Lang schließt ebenso seine Pforten wie Leder Theinhardt oder der Jeans Point. Doch am allerschlimmsten: Eisen Nerforth hat dicht gemacht. Wie in Zeitlupe ging ich auf einen der bedeutendsten Läden meiner Kindheit zu und fühlte mich für einen kurzen Moment ebenso leer wie die Schaufenster, in die ich blickte. Keine Modelleisenbahn, die mich anlachte, kein Cowboyhut, keine Star-Wars-Figuren mehr. Ich sah nur noch mich selbst im Fenster und all meine verblassten Erinnerungen. Sonst war nichts geblieben.

Nerforth war mehr, als nur ein Geschäft. Erst suchten wir als Kinder genau hier unsere Weihnachtswünsche aus. Später, als wir dann langsam selber etwas schenken mussten, gingen wir einfach ein Stockwerk höher und wurden da fündig. Selbst wenn man Samstags Mittags 5 Minuten vor Ladenschluss immer noch kein Geschenk für Dianes Geburtstagsfeier besorgt hatte, Eisen Nerfoth hielt stets ein rettendes Leonardo-Glas für uns bereit. Und nun?

Es scheint der Centro-Effekt zu sein, der so manche Altstadt in Schwierigkeiten stürzt. Wer ist wohl als nächstes in Moers dran? Doch nicht etwa das Modehaus Braun? Das wäre für die Stadt wirklich der Gnadenstoß. Wie auch immer: Erst wenn der letzte Laden geschlossen, die letzte Kneipe dicht gemacht und das letzte Eis bei Adria am Kö verkauft ist, werdet ihr merken, dass man im Centro fast nie spontan seine Freunde trifft. Das ging eben nur in Moers, u.a. auf dem Weg zu Nerforth.

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Der gläserne Mensch (14.04.2003)   

An diesem Tag gab es was zu feiern. Ich war ein Jahr älter geworden. Na super! Wir (d.h. meine engsten Freunde und ich) verbrachten einen netten Abend im OSTENDE in Duisburg. Irgendwann legte mein Kumpel Heisti dann so richtig los. "Ich hab keinen Bock mehr auf die Scheiß-Formulare!" Hä?!? Er beklagte sich über das ständige Ausfüllen-Müssen irgendwelcher Fragebögen für Zeitungsabos, Fitnessclubs etc. Aber das muss doch so sein, schließlich gibt es so was wie Datenschutz, und man kann doch keine Zentralstelle für Informationen einführen, auf die dann jeder Zugriff hat. Oder? "Doch, genau das kann man!" Hat er damit Recht? 

Mal ehrlich: Im Grunde verlangt heute jeder Newsletter mehr, als die Volkszählung Mitte der 80er. Warum also nicht jedem eine ID-Nummer verpassen, und schon ist die Sache klar. Auch im Privatleben, zum Beispiel auf Singleparties. LK34i347845%78476 ins Handy tippen und dann nur noch lesen: Rita, 29, uneheliches Kind in Bottrop, Sekretärin, leichter Skiunfall im Jahre 1988. Da wird das Baggern endlich einfach. "Du fährst Ski? Toll, ich auch!" Und ab in die Kiste! 

Leider wird es dazu niemals kommen, denn: Wir Menschen machen einfach viel zu gerne Geheimnisse aus Dingen, die wir dann im nächsten Lotto-Büro oder für die P&C-Kundenkarte ohne Bedenken preisgeben. Weil wir alle das Gefühl lieben, irgendwie wichtig zu sein. Und genau dafür gibt es den Datenschutz. Er macht uns Glauben, dass eine Vielzahl internationaler Geheimagenten hinter uns her ist, nur um zu erfahren, wo wir wohnen, ob wir rauchen, wie viel wir verdienen. "Hilfe, die wollen meine Daten. Was machen die bloß damit? Huuuuuhh..." Ich kann euch sagen, was DIE mit euren Daten machen. Nix!

Fazit: Mit dem Datenschutz verhält es sich so, wie mit vielen anderen Dingen im Leben auch. Es ist eindeutig eine Sache mit Sinn. Aber nicht mit dem Sinn, den man auf den ersten Blick dahinter vermutet. 

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Liv Tyler (02.2003)  

Irgendwann (egal wann), irgendwo (egal wo) irgendwie (ja, ja, ja) hatte ich mal ein Mädchen kennen gelernt. (Soll vorkommen.) Von ihrer Art her wirkte es (also das Mädchen) ungefähr so warmherzig, wie ein Cornetto-Nuss in einem Eisschrank auf der Antarktis. (Gibt es da überhaupt Eisschränke?!?) Ich hatte damals die "Ehre", ein paar Worte mit ihr zu wechseln. 'Hallo', war eines davon, und die anderen beiden waren auch nicht länger. Kurzum: Ich hatte zuvor schon einige Erfurt-Raufaser-Tapeten erlebt, die unterhaltsamer waren, als diese Frau. Das Problem an der Sache: Sie sieht haargenau aus wie Liv Tyler. Also nicht wie Steven Tyler, sondern wie Liv Tyler. Nun mag man sich fragen: Genügt das Aussehen einer Liv Tyler, um über all das Geschilderte hinwegzusehen? Unter uns: Muss ich diese Frage wirklich beantworten?;-) Siehe nach unter www.livtyler.de

Aus einem erstaunlichen Zufall heraus ergab es sich, dass sich ihr und mein Leben mal wieder kreuzten. Ich hatte sie auf Anfang 20 geschätzt, war sie aber nicht. Sie war... na ja, ABI 2003 eben. Und schon schlidderte ich unversehens in eine Situation, die mich zum ersten mal einen Generationenkonflikt aus der anderen Richtung erleben ließ. Denn: Sie gab mir während unserer kleinen Konversation zu verstehen, dass ich in ihrem Leben ungefähr so willkommen war, wie ein Laminatverkäufer bei Teppichboden Knott. Man kann seine Abneigung gegen Menschen ja hübsch verpacken - sie konnte es aber nicht. Ist das nun ein Grund, solche Gespräche in Zukunft zu lassen? Muss ich jetzt, wo ich 30 bin, mehr über alles, was ich tue nachdenken? Muss ich jetzt etwa ZDF gucken?!? Antwort: NEIN! Aber vielleicht kommt im Leben irgendwann einfach der Punkt, an dem man(n) seine weibliche Zielgruppe neu bestimmen muss. Es sein denn natürlich, man heißt George Clooney...

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J E D E N   M O N A T   N E U !

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